Mistral
Der Mistral ist ein starker bis stürmischer Wind aus Nord bis Nordwest im Golf von Lion im westlichen Mittelmeer mit Windgeschwindigkeiten bis zu 50 kn bei meist geringer Bewölkung, der bei bestimmten Großwetterlagen auftritt. Typisch ist das Genuatief, ein ausgeprägtes, weitgehend stationäres Tiefdruckgebiet mit Zentrum über der italienischen Riviera. Dieses bringt zusätzlich deutlich schwächere, aber boige Fallwinde entlang der Riviera mit sich. Verstärkend kann ein ausgedehntes (Azoren-) Hoch über der Biskaya wirken, das kalte Luftmassen über Frankreich nach Süden bringt.
Aufgrund dieser fast stationären, großräumigen Entstehungsweise ist der Mistral im Bereich seiner maximalen Windstärke, also im Golf von Lion auch kaum anhand von Luftdruckschwankungen vorhersagbar. Eine Vorhersage erfolgt frühestens 12 Stunden vorher und ist unsicher. Der Wind baut sich binnen weniger Stunden auf und mitunter herrscht vorher völlige Flaute und zwei Stunden später werden bereits über 40 kn erreicht. Typischerweise hält der Mistral zwei bis drei Tage an.
Der Wind erreicht seine maximale Windstärke südlich des Rhonedelta, aus dem er herausbläst und nimmt nach Osten langsam ab. Als ablandiger Wind bildet er in unmittelbarer Nähe zur Küste nur wenig Seegang aus, erzeugt aber bereits wenige Seemeilen außerhalb eine unangenehme, kurze Welle, die für leichte Boote auch gefährlich sein kann. Gelegentlich hat der Mistral eine Westtendenz und erreicht dann maximal 30 kn.
Nach Westen nimmt der Mistral rapide ab, so daß Valencia und meist auch Barcelona nicht mehr tangiert sind.
Die Ausläufer des Mistral reichen nach Süden bis zu den Balearen, auf denen er häufig auf unter 30 kn abschwächt. Dabei liegt Menorca meist noch im Mistralgebiet und Mallorca nicht mehr. Die Wellen sind dann allerdings im gesamten Seegebiet nördlich der Balearen selten unter 2 m hoch, eher mehr und laufen auch nach Abflauen des Winds noch bis zu 24 h nach.
Nach Osten reicht der Mistral bis Korsika und dreht bei geringfügiger Abschwächung etwas Richtung Westen. Lediglich in der Straße von Bonifacio nimmt er aufgrund einer lokalen Düsenwirkung nochmal um 10 bis 15 kn zu. Der Mistral kann in südöstlicher Richtung bis Tunesien reichen.