Ablage von bis zu einer Seemeile durch unterschiedliche Kartensysteme

Ich habe dunkel in Erinnerung, dass die Ablage mancherorts (z.B. Japan) bis zu 2 kbl (0,2 sm) betragen kann. Kann auch sein, dass ich hier etwas durcheinanderwerfe. Hat jemand vielleicht genauere Details? --Peter 22:57, 8. Mai 2006 (CEST)

Die beobachteten Fehler können auch höher liegen. Bei Durchfahren eines norwegischen Fjords fuhren wir trotz ausreichender Anzahl an Satelliten in Sicht konstant auf dem parallel laufenden Bergrücken. Die genaue Distanz habe ich nicht mehr im Kopf, aber mehr als 0,2 nm waren es sicher. Nachdem sich dieser Wert auch während der gesamten ca. 3 h nicht änderte, vermute ich einen Zusammenhang mit den alten Karten, die wir dabei hatten. Bei denen war das Kartendatum nicht verzeichnet und Durchfahrtshöhen und Wassertiefen waren wechselweise in Faden, Metern und Fuß angegeben. --Crefeld 22:22, 24. Dez 2006 (CET)
Nachtrag: Das BSH schreibt von einem Gesamtfehler von bis zu 1000 m. [1]
Bei den Franzosen gab oder gibt es sogar ein System, das einen Fehler von bis zu 1500m hat [2]. Wer es ganz genau wissen will, kann es sich auch mit Hilfe folgenden Dokumentes ausrechnen : 'User’s Handbook On Datum Transformations Involving WGS 84' [3]. --Erik 11:40, 27. Dez 2006 (CET)

Koordinatensysteme?

Meines Wissens sind etwaige Unterschiede im Koordinatensystem irrelevant im Bezug auf GPS. Das Problem sind vielmehr die Unterschiede im Kartendatum. Das resultiert wiederum aus unterschiedlichen Annäherungen des zugrunde gelegtem Erdkörpers. ED50 mag in manchen Regionen Europas verbreitet sein, aber man kann sich nicht darauf verlassen. Die Unterschiede mögen teilweise gering sein, aber in manchen Gegenden können auch größere Abweichungen auftreten - je nachdem wie weit sich die zugrunde gelegten Erdmodelle voneinander unterscheiden. Die Tatsache, daß manche Karten Umrechnungshilfen nach WGS84 anbieten, darf nicht darüber hinwegtäuschen, daß diese Korrekturen nur in genau diesem, von der jeweiligen Karte abgedeckten Bereich gelten. Die Empfehlung, auf die Umrechnungshilfen des GPS-Geräts zu verzichten, kann ich insofern nicht nachvollziehen. Das Problem ist es natürlich, wenn das verwendete Kartendatum unbekannt ist. Dann wird man WGS84 mangels Alternative eingestellt lassen. Den Ratschlag halte ich jedenfalls für ziemlich problematisch. Er erinnert an den Unfug, der von Skippern aus dem mitteleuropäischen Raum unreflektiert propagiert wird, die Mißweisung selbst bei Standortbestimmungen zu ignorieren - nur weil derzeit in der Ostsee zufälligerweise die Mißweisung nahe Null ist. --Crefeld 22:40, 24. Dez 2006 (CET)

Die Automatische Umrechnung hat ist allerdings sehr bequem. Dennoch würde ich dringend davon abraten:
  • Keins der Geräte, das ich bisher gesehen habe, zeigt auf dem gleichen Schirm, wo die Koordinaten stehen an, welches Kartendatum es gerade Benutzt. Da alle Lehrbücher davon ausgehen dass man im WGS84 navigiert und das ja auch in den meisten Fällen so ist besteht eine große Gefahr, dass man im eifer der Gefechtes nicht daran denkt beim Kartenwechsel das System zu wechseln. Man muss das also sorgfältig dokumentieren (Logbuch, Klebezettel am Gerät) und allen Mitseglern mitteilen, selbst dann besteht die Gefahr es mal zu vergessen.
  • Wird ein Notruf abgesetzt ist es unbedingt angeraten die Position in WGS84 anzugeben, gerade dann, wenn die Unterschied der beiden Kartendaten groß ist. Genau in dieser Situation wird es aber garantiert vergessen die Daten umzurechen oder es werden Fehler dabei gemacht. Wird der Notruf per DSC abgesandt werden die Informationen über das Kartendatum nicht mit gesandt (Bei NMEA der Positionsdatensatz nicht das Kartendatum).
  • Bei jeder anderen Kommunikation, besonders bei großen Schiffen, ist davon auszugehen, das die ECIDS-Anlage komplett in WGS84 arbeitet und die zwar pflichtgetreu mitgeschleppten Papierkarten nicht zur Hand sind, um den Unterschied zuwischen den beiden System zu ermitteln.
  • Werden elektronische Seekarten verwendet, so benutzen diese sowieso WGS84, es betrifft also nur altere Papierkarten. Dort darf man dann natürlich die Umrechnung keinenfalls ignorieren, wie oben angedeutet. Jedoch wird einem durch diese Umrechnung auch jedes mal bewusst gemacht, dass man mit Karten arbeitet, deren Vermessung schon längere Zeit zurück liegt. Das sollte beim umsichtigen Skipper für erhöhte Aufmerksamkeit sorgen.
--Erik 10:51, 26. Dez 2006 (CET)
Das kann ja jeder halten wie er lustig ist. Aber generell eine solche Empfehlung auszusprechen, nur weil man es selber so praktiziert, halte ich für ziemlich verwegen. Diese Korrektur nach Länge und Breite steht ja auch nicht auf allen Karten drauf. Wenn stattdessen ein Kartendatum (kein Koordinatensystem!) vermerkt ist, dann gebietet es m.E. schon allein die navigatorische Sorgfaltspflicht, dieses auch einzusetzen. Wie willst Du sonst den Fehler eliminieren? Hier damit zu argumentieren, daß der Navigator quasi zu blöd für seinen Job ist und ihn deswegen lieber mit fehlerhaften Daten weiterzurechnen, leuchtet mir nicht ein.
Notfall: Wir reden von einem Fehler von +/- 0,3 Grad. Das ist ein Fehler von unter 1000m. Glaub mir: nachdem wir auf Borkum Riff kenterten, waren wir beim Rendevous mit dem Seenotkreuzer 2 Stunden später mehrere nm weit abgetrieben und sie haben uns trotzdem gefunden. Wem das nicht reicht, der braucht eh DGPS. Mir erscheint es da irgendwie sinnvoller, durch möglichst präzise Navigation gar nicht erst einen Notfall zu provozieren. Im übrigen sei auf die Empfehlung des BSH verweisen, genaue Positionen nach Peilung und Distanz anzugeben.
ECDIS: Da wird das verwendet, was da ist. Mit dem Unterschied, daß die Korrektur des Kartendatums automatisch umgeschaltet werden kann. Natürlich basieren die neueren Vektorkarten meist auf WGS84, aber wenn für ein Revier nur Rasterkarten existieren, dann entstammen die meist einem Scan von Papierkarten. Und die sind halt so wie sie sind. Übrigens muß ein ausrüstungspflichtiges Schiff Papierkarten nur dann mit sich führen, wenn es Rasterkarten verwendet oder keine gedoppelten Anlagen mit sich führt. Dies nur so am Rande. --Crefeld 16:44, 26. Dez 2006 (CET)
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