Benutzer:Peter/Törnbericht Überführung Kiel-Spanien: Unterschied zwischen den Versionen

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<small>Links zu Skipperguide
'''Zeitraum:''' 28. April - 15. Mai 2002
[[Kiel]] [[Vilamoura]] [[Portugal]] [[Laboe]] [[Nord-Ostsee-Kanal]] [[Falmouth]] [[Bayona]] [[Biskaya]] [[Kap Finisterre]] [[La Coruna]]</small>
 


'''Start:''' [[Kiel#Stickenhörn|Kiel Stickenhörn]]
'''Start:''' [[Kiel#Stickenhörn|Kiel Stickenhörn]]
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'''Schiff:''' MAUNA LUA unter schweizer Flagge, First 405, Bj. 1986
'''Schiff:''' MAUNA LUA unter schweizer Flagge, First 405, Bj. 1986
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[[Kiel]] [[Vilamoura]] [[Portugal]] [[Laboe]] [[Nord-Ostsee-Kanal]] [[Falmouth]] [[Bayona]] [[Biskaya]] [[Kap Finisterre]] [[La Coruna]]</small>


==So, 28.04.02 ([[Kiel#Stickenhörn|Kiel Stickenhörn]])==
==So, 28.04.02 ([[Kiel#Stickenhörn|Kiel Stickenhörn]])==
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Es steht eine kurze Welle von vielleicht 1-1.5m direkt von vorne. Niemand kann sich wirklich von leichten Magenbeschwerden freisprechen.
Es steht eine kurze Welle von vielleicht 1-1.5m direkt von vorne. Niemand kann sich wirklich von leichten Magenbeschwerden freisprechen.


'''1230''': Wachwechsel. Ich kann ganze 6h Schlafen, welche Freude, bin todmüde.
'''1230:''' Wachwechsel. Ich kann ganze 6h Schlafen, welche Freude, bin todmüde.


Heute früh hat sich eine Taube auf dem Schiff niedergelassen. Möglicherweise wurde sie vom Wind aufs Meer getrieben. Sie wirkt recht erschöpft.
Heute früh hat sich eine Taube auf dem Schiff niedergelassen. Möglicherweise wurde sie vom Wind aufs Meer getrieben. Sie wirkt recht erschöpft.
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'''Position:''' etwa 30 sm nördlich von Ameland.
'''Position:''' etwa 30 sm nördlich von Ameland.


'''1630''': Flaute, Motor, Kalt, aber wenigstens kein Regen! Sehe sogar einen Sonnenstrahl, ansonsten nur grün-graues Nordsee-Wasser (was eine große Veränderung darstellt: in der Elb-Mündung war das Wasser grau-braun).
'''1630:''' Flaute, Motor, Kalt, aber wenigstens kein Regen! Sehe sogar einen Sonnenstrahl, ansonsten nur grün-graues Nordsee-Wasser (was eine große Veränderung darstellt: in der Elb-Mündung war das Wasser grau-braun).


'''2200''': Wachwechsel. Schnell schlafen für die Hundewache von 0200-0600. Seit 2100 sind wir wieder unter Segeln. Wind frischt auf, kommt von querab. Fahren Kurs 200° Richtung Dover. Die Welle kommt direkt von der Seite, was ein heftiges Schaukeln zur Folge hat. Der Ausguck ist spannend, überall sind Lichter auszumachen. Bei den meisten Lichtern handelt es sich um Bohrinseln, vereinzelt auch Schiffe.
'''2200:''' Wachwechsel. Schnell schlafen für die Hundewache von 0200-0600. Seit 2100 sind wir wieder unter Segeln. Wind frischt auf, kommt von querab. Fahren Kurs 200° Richtung Dover. Die Welle kommt direkt von der Seite, was ein heftiges Schaukeln zur Folge hat. Der Ausguck ist spannend, überall sind Lichter auszumachen. Bei den meisten Lichtern handelt es sich um Bohrinseln, vereinzelt auch Schiffe.


Die Taube sitzt mittlerweile auf der ausgebaumten Großschot. Wir würden sie gerne unter der Sprayhood sehen, aber die Taube ist ziemlich scheu, hält Distanz zu uns.
Die Taube sitzt mittlerweile auf der ausgebaumten Großschot. Wir würden sie gerne unter der Sprayhood sehen, aber die Taube ist ziemlich scheu, hält Distanz zu uns.


'''Vorhersage''': NO 5-6, später 7.
'''Vorhersage:''' NO 5-6, später 7.


==Fr, 03.05.02 (3. Seetag)==
==Fr, 03.05.02 (3. Seetag)==
'''0630''': Wachwechsel. Dunkel, guter Wind, kalte Finger. Der Sonnenaufgang steht bevor. Wir haben das Gebiet mit den Bohrinseln durchquert, aktuell steuern wir mit 190° auf ein Verkehrs-Trennungs-Gebiet zu. Der Wind hat sich abgeschwächt, die See ist deutlich ruhiger.
'''0630:''' Wachwechsel. Dunkel, guter Wind, kalte Finger. Der Sonnenaufgang steht bevor. Wir haben das Gebiet mit den Bohrinseln durchquert, aktuell steuern wir mit 190° auf ein Verkehrs-Trennungs-Gebiet zu. Der Wind hat sich abgeschwächt, die See ist deutlich ruhiger.


Die Taube wurde irgendwann zwischen 2200 und 0200 unter die Sprayhood gesetzt. Erfreulich, es war ein trauriges Bild, das erschöpfte Tier auf der Großschot im kalten Wind bei dem heftigem Schaukeln des Schiffs sehen zu müssen. Beim Wachantritt um 0200 war es meine größte Sorge, wie es ihr geht. Auch bei allen anderen galt eine der ersten Fragen beim Wachwechsel der Taube - wo sie aktuell sitzt und wie es ihr geht...
Die Taube wurde irgendwann zwischen 2200 und 0200 unter die Sprayhood gesetzt. Erfreulich, es war ein trauriges Bild, das erschöpfte Tier auf der Großschot im kalten Wind bei dem heftigem Schaukeln des Schiffs sehen zu müssen. Beim Wachantritt um 0200 war es meine größte Sorge, wie es ihr geht. Auch bei allen anderen galt eine der ersten Fragen beim Wachwechsel der Taube - wo sie aktuell sitzt und wie es ihr geht...


'''1030''': Dahindümpeln. Nur noch 3.5 Knoten Fahrt über Grund. Die Kälte hat mich aus meiner Koje getrieben. Im Salon sind es 14°C, im Vorschiff (wo meine Koje ist), ist es noch kühler. Sowohl die Füße, als auch die Nasenspitze sind eiskalt. Bin aber gerade rechtzeitig zum Frühstück wachgeworden. Es gibt frischgebackenes Bananenbrot, was von der Wache zubereitet wurde. Schon erstaunlich, was man so alles mit einem kleinem Gas-Backofen zubereiten kann.
'''1030:''' Dahindümpeln. Nur noch 3.5 Knoten Fahrt über Grund. Die Kälte hat mich aus meiner Koje getrieben. Im Salon sind es 14°C, im Vorschiff (wo meine Koje ist), ist es noch kühler. Sowohl die Füße, als auch die Nasenspitze sind eiskalt. Bin aber gerade rechtzeitig zum Frühstück wachgeworden. Es gibt frischgebackenes Bananenbrot, was von der Wache zubereitet wurde. Schon erstaunlich, was man so alles mit einem kleinem Gas-Backofen zubereiten kann.


Die Taube hat sich heute morgen auf das Vorschiff zurückgezogen, auf größstmögliche Distanz. Blödes Tier, wenn wir sie hätten fressen wollen, hätten wir heute Nacht genügend Möglichkeiten gehabt. Auf dem Vorschiff lebt sie gefährlich – die nächstbeste, größere Welle würde sie wegspülen. Zum Glück ist die See momentan ruhig.
Die Taube hat sich heute morgen auf das Vorschiff zurückgezogen, auf größstmögliche Distanz. Blödes Tier, wenn wir sie hätten fressen wollen, hätten wir heute Nacht genügend Möglichkeiten gehabt. Auf dem Vorschiff lebt sie gefährlich – die nächstbeste, größere Welle würde sie wegspülen. Zum Glück ist die See momentan ruhig.


'''Position''': Luftlinie nach Brunsbüttel: 209 sm, zurückgelegte Entfernung bisher ca. 270 sm.
'''Position:''' Luftlinie nach Brunsbüttel: 209 sm, zurückgelegte Entfernung bisher ca. 270 sm.


'''Wetter''': See ruhig (max. 0.5 Meter), Wind einigermaßen, Temperatur unter aller Sau, Himmel bewölkt.
'''Wetter:''' See ruhig (max. 0.5 Meter), Wind einigermaßen, Temperatur unter aller Sau, Himmel bewölkt.


'''1900''': Position: Irgendwo zwischen Niederlande, Belgien und England. Kurs 220°. Wenn alles glattläuft, sollten wir morgen früh bei Dover sein und segeln dann direkt weiter Richtung Plymouth. Bis Dover sind es noch ca. 100 sm.
'''1900:''' Position: Irgendwo zwischen Niederlande, Belgien und England. Kurs 220°. Wenn alles glattläuft, sollten wir morgen früh bei Dover sein und segeln dann direkt weiter Richtung Plymouth. Bis Dover sind es noch ca. 100 sm.


'''Taube''': Sitzt jetzt auf der Sprayhood, nachdem sie zuvor ganz vorne am Bugkorb saß - um zu verhindern, dass sie durch eine Welle weggerissen wird, haben wir versucht sie einzufangen, woraufhin sie auf die Sprayhood geflogen ist.
'''Taube:''' Sitzt jetzt auf der Sprayhood, nachdem sie zuvor ganz vorne am Bugkorb saß - um zu verhindern, dass sie durch eine Welle weggerissen wird, haben wir versucht sie einzufangen, woraufhin sie auf die Sprayhood geflogen ist.


'''Wetter''': ca. 4 Bft, See flach.
'''Wetter:''' ca. 4 Bft, See flach.


'''Temperatur''': relativ warm - auch ohne Ölzeug mit 2 Pullovern erträglich.
'''Temperatur:''' relativ warm - auch ohne Ölzeug mit 2 Pullovern erträglich.


'''Essen''': Penne mit Zuccini-Tomaten-Sauce.
'''Essen:''' Penne mit Zuccini-Tomaten-Sauce.


Es wird Zeit zum Schlafen...
Es wird Zeit zum Schlafen...


==Sa, 04.05.02 (4. Seetag)==
==Sa, 04.05.02 (4. Seetag)==
'''0200''': Taube ist weg! Irgendwann gegen 2200 wurde sie aufgescheucht und ist losgeflogen. Nach einem mißlungenem Landeversuch auf der Saling ist sie in unbestimmte Richtung abgedüst. Wir alle hoffen, dass sie es bis zu einer Küste oder einem anderem Schiff schafft.
'''0200:''' Taube ist weg! Irgendwann gegen 2200 wurde sie aufgescheucht und ist losgeflogen. Nach einem mißlungenem Landeversuch auf der Saling ist sie in unbestimmte Richtung abgedüst. Wir alle hoffen, dass sie es bis zu einer Küste oder einem anderem Schiff schafft.


'''Wetter''': wie sonst auch: Wolken, unzählig viele Sterne, Wind aus NO 4-5 zunehmend.
'''Wetter:''' wie sonst auch: Wolken, unzählig viele Sterne, Wind aus NO 4-5 zunehmend.


'''Temperatur''': wie immer
'''Temperatur:''' wie immer


'''Position''': 50 sm vor Dover, freuen uns schon heftig auf Duschen und die englischen Pubs.
'''Position:''' 50 sm vor Dover, freuen uns schon heftig auf Duschen und die englischen Pubs.


'''1230''': Wachwechsel, endlich mal wieder schlafen. Haben gerade Dover passiert.
'''1230:''' Wachwechsel, endlich mal wieder schlafen. Haben gerade Dover passiert.


Zeitweise scheint heute sogar die Sonne. Es tut gut, ihre wärmenden Strahlen auf den Handflächen zu spüren, die Hände waren bereits steifgefroren. Ich spüre, wie viel beweglicher die Finger werden, wenn sie von den Sonnenstrahlen berührt werden.  Nett von Rasmus, uns gerade jetzt Sonne zu gönnen und die weißen Felsen von Dover in warmen Sonnenlicht zu präsentieren.
Zeitweise scheint heute sogar die Sonne. Es tut gut, ihre wärmenden Strahlen auf den Handflächen zu spüren, die Hände waren bereits steifgefroren. Ich spüre, wie viel beweglicher die Finger werden, wenn sie von den Sonnenstrahlen berührt werden.  Nett von Rasmus, uns gerade jetzt Sonne zu gönnen und die weißen Felsen von Dover in warmen Sonnenlicht zu präsentieren.
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Dover liegt in Sichtweite querab. Wir segeln bei raumen bis achterlichem Wind Falmouth entgegen. Zwei Tage werden wir voraussichtlich brauchen. Der Landkontakt hat jedoch bereits eine leichte Sehnsucht nach Land geweckt: Dort gibt es Duschen und Pubs! Die Nähe zum Land brachte auch die Zivilisation in Form des Mobilfunknetzes: Schnell wurden Telefonate geführt und SMS abgeschickt.
Dover liegt in Sichtweite querab. Wir segeln bei raumen bis achterlichem Wind Falmouth entgegen. Zwei Tage werden wir voraussichtlich brauchen. Der Landkontakt hat jedoch bereits eine leichte Sehnsucht nach Land geweckt: Dort gibt es Duschen und Pubs! Die Nähe zum Land brachte auch die Zivilisation in Form des Mobilfunknetzes: Schnell wurden Telefonate geführt und SMS abgeschickt.


'''Wetter''': Die Wellen sind ruppig - zwar nicht hoch (max. vielleicht 1-2m), aber kurz und steil von achtern. Schaukelt gut und macht Spaß!
'''Wetter:''' Die Wellen sind ruppig - zwar nicht hoch (max. vielleicht 1-2m), aber kurz und steil von achtern. Schaukelt gut und macht Spaß!


'''2220''': Schlafenszeit (bis immerhin 2 Uhr Nachts)
'''2220:''' Schlafenszeit (bis immerhin 2 Uhr Nachts)
Gerade einen wunderschönen Sonnenuntergang gehabt. Die Sonne tauchte den Himmel in orange-farbenes Licht, welches fantastische Kontraste zu dem flaschengrünem Wasser des Ärmelkanals brachte. Andächtiges Schweigen bei der gesamten Crew während dem Naturschauspiel.
Gerade einen wunderschönen Sonnenuntergang gehabt. Die Sonne tauchte den Himmel in orange-farbenes Licht, welches fantastische Kontraste zu dem flaschengrünem Wasser des Ärmelkanals brachte. Andächtiges Schweigen bei der gesamten Crew während dem Naturschauspiel.


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Das Wetter ist gut, die Sonne scheint bereits seit Mittag, trotzdem ist es kalt. Unter Deck: 15°C, auf Deck: 2 Pullover, Ölzeug und kalte Finger. Ich hoffe, dass die Wache ab 0200 erträglich wird.
Das Wetter ist gut, die Sonne scheint bereits seit Mittag, trotzdem ist es kalt. Unter Deck: 15°C, auf Deck: 2 Pullover, Ölzeug und kalte Finger. Ich hoffe, dass die Wache ab 0200 erträglich wird.


'''Essen''': Risotto mit Naturreis und Käse-Schinken-Sauce.
'''Essen:''' Risotto mit Naturreis und Käse-Schinken-Sauce.


==So, 05.05.02 (5. Seetag)==
==So, 05.05.02 (5. Seetag)==
'''0600''': Schlafenszeit, die Hundewache ist überstanden.
'''0600:''' Schlafenszeit, die Hundewache ist überstanden.


Wieder gab es eine sternenklare Nacht. Ob der Tag "trotzdem" sonnig wird? Bisher gab es fast jede Nacht wolkenlosen Himmel, der jedoch rechtzeitig im Morgengrauem zugezogen ist. War wieder recht kalt: 3 Pullover, trotzdem Frösteln. Eiskalte Hände und Füße, wie so oft.
Wieder gab es eine sternenklare Nacht. Ob der Tag "trotzdem" sonnig wird? Bisher gab es fast jede Nacht wolkenlosen Himmel, der jedoch rechtzeitig im Morgengrauem zugezogen ist. War wieder recht kalt: 3 Pullover, trotzdem Frösteln. Eiskalte Hände und Füße, wie so oft.
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Passieren gerade die Isle of Wight in Sichtweite. Viel Schiffsverkehr. Parallel zu uns führt eine Schifffahrtsstraße entlang. Einige Schiffe verlassen diese in Richtung Isle of Wight. Auslaufende Schiffe sind zudem schwer von den Lichtern der Insel zu unterscheiden.
Passieren gerade die Isle of Wight in Sichtweite. Viel Schiffsverkehr. Parallel zu uns führt eine Schifffahrtsstraße entlang. Einige Schiffe verlassen diese in Richtung Isle of Wight. Auslaufende Schiffe sind zudem schwer von den Lichtern der Insel zu unterscheiden.


'''1130''': Noch 115 sm bis Falmouth. Langsam wird es Zeit für einen Hafentag: wir sind auf dem letzen Trinkwassertank (von insgesamt dreien mit 500 Litern), auch die Vorräte an Cola-Light und Süssigkeiten gehen zur Neige.
'''1130:''' Noch 115 sm bis Falmouth. Langsam wird es Zeit für einen Hafentag: wir sind auf dem letzen Trinkwassertank (von insgesamt dreien mit 500 Litern), auch die Vorräte an Cola-Light und Süssigkeiten gehen zur Neige.


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Es wird wärmer: mit 2 Pullovern ohne Ölzeug friere ich nicht.
Es wird wärmer: mit 2 Pullovern ohne Ölzeug friere ich nicht.


'''1800''': Das Meer ist glatt. Kaum zu glauben, dass das der englische Kanal sein soll. Von dem vorhergesagtem N 3-4, auffrischen 5 ist nicht viel zu spüren. Wie eine unebene Betonpiste zieht sich das Meer dahin. Kein Verkehr, kein Wind.
'''1800:''' Das Meer ist glatt. Kaum zu glauben, dass das der englische Kanal sein soll. Von dem vorhergesagtem N 3-4, auffrischen 5 ist nicht viel zu spüren. Wie eine unebene Betonpiste zieht sich das Meer dahin. Kein Verkehr, kein Wind.


Wir sind mittlerweile 90 sm vor Falmouth, der Motor schiebt uns in Richtung Pubs. Der Himmel ist grau/türkis, leichte Wolken verdecken die Sonne. Ist das die Nordsee?
Wir sind mittlerweile 90 sm vor Falmouth, der Motor schiebt uns in Richtung Pubs. Der Himmel ist grau/türkis, leichte Wolken verdecken die Sonne. Ist das die Nordsee?
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Erstaunlich, wie schnell das Opfer für den Meeresgott gewirkt hatte - warum haben wir es nicht schon vorher gemacht? Susanne - erfahrene Atlantik-Seglerin - hatte die Erfahrung gemacht, dass Rasmus besonders gerne Schokokekse mag - wir dürfen keinesfalls vergessen, in England welche zu kaufen.
Erstaunlich, wie schnell das Opfer für den Meeresgott gewirkt hatte - warum haben wir es nicht schon vorher gemacht? Susanne - erfahrene Atlantik-Seglerin - hatte die Erfahrung gemacht, dass Rasmus besonders gerne Schokokekse mag - wir dürfen keinesfalls vergessen, in England welche zu kaufen.


'''2000''': Essen: Bratkartoffeln mit Schinken & Ei. Draußen scheint die Sonne, wir segeln(!) mit 5 Knoten. Das Opfer hat offenbar gewirkt.
'''2000:''' Essen: Bratkartoffeln mit Schinken & Ei. Draußen scheint die Sonne, wir segeln(!) mit 5 Knoten. Das Opfer hat offenbar gewirkt.


==Mo, 06.05.02. (6. Seetag)==
==Mo, 06.05.02. (6. Seetag)==
'''0200''': Bei leichtem NW und extrem ruhiger See geht‘s mit 5 Knoten gemächlich in Richtung Falmouth. Im ruhigem Wasser ist deutlich das grüne Glitzern des Planktons zu sehen. Was die Evolution wohl dazu veranlaßt hat, phosphoreszierendes Plankton entstehen zu lassen?
'''0200:''' Bei leichtem NW und extrem ruhiger See geht‘s mit 5 Knoten gemächlich in Richtung Falmouth. Im ruhigem Wasser ist deutlich das grüne Glitzern des Planktons zu sehen. Was die Evolution wohl dazu veranlaßt hat, phosphoreszierendes Plankton entstehen zu lassen?


Falmouth ist noch 40 sm entfernt, Start Point liegt hinter uns, Plymouth querab. Am Vormittag dürfte es soweit sein.
Falmouth ist noch 40 sm entfernt, Start Point liegt hinter uns, Plymouth querab. Am Vormittag dürfte es soweit sein.
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==Do, 09.05.02 (2. Seetag)==
==Do, 09.05.02 (2. Seetag)==
'''0815''': Wachende. Die Nacht war kalt, aber erträglich. Die gesamte Nacht dümpelten wir mit 4-5 Knoten und Wind aus Nord. Mittlerweile trennen uns bereits 95 sm von Falmouth.
'''0815:''' Wachende. Die Nacht war kalt, aber erträglich. Die gesamte Nacht dümpelten wir mit 4-5 Knoten und Wind aus Nord. Mittlerweile trennen uns bereits 95 sm von Falmouth.


Der Morgen ist vielversprechend. Die Sonne ließ alle Wolken verschwinden, der Wind nahm auf 3-4 zu. Mit über 7 Knoten geht es Bayona entgegen, 430 sm liegen vor uns.
Der Morgen ist vielversprechend. Die Sonne ließ alle Wolken verschwinden, der Wind nahm auf 3-4 zu. Mit über 7 Knoten geht es Bayona entgegen, 430 sm liegen vor uns.


'''1800''': Schönwettersegeln! Blauer Himmel, Sonne, schätzungsweise 18°C. Die kurzen Hosen wurden bereits ausgepackt. Ein guter NNW 3-4, Fahrt 5-7 Knoten, zum Teil unter Schmetterling. Bei allen ist sichtliche Freude über das Wetter zu erkennen. Wachegehen mit Jogginghose und einem Pullover – Traumhaft! Zur Krönung gibt es einen aufwändigen Reisauflauf zum Essen. Mittlerweile liegt Falmouth 155 sm hinter uns.
'''1800:''' Schönwettersegeln! Blauer Himmel, Sonne, schätzungsweise 18°C. Die kurzen Hosen wurden bereits ausgepackt. Ein guter NNW 3-4, Fahrt 5-7 Knoten, zum Teil unter Schmetterling. Bei allen ist sichtliche Freude über das Wetter zu erkennen. Wachegehen mit Jogginghose und einem Pullover – Traumhaft! Zur Krönung gibt es einen aufwändigen Reisauflauf zum Essen. Mittlerweile liegt Falmouth 155 sm hinter uns.


Zwischendurch gab es noch einen leichten Adrenalin-Kick. Vom Vorschiff aus rief jemand, dass recht voraus etwas im Wasser treibt. „Hol‘ mal jemand den Bootshaken“. Während ich auf der Suche nach dem Bootshaken die Backskiste durchwühlte, kam plötzlich ein aufgeregtes „Abdrehen! Abdrehen!!“. Knapp 3 Meter entfernt trieb etwas an uns vorbei, was die Form einer Fliegerbombe hatte, vielleicht 50 cm lang und blau-orange. Übungsmunition? Immerhin sind Kanal und Biskaya U-Boot-Übungsgebiet. Was auch immer es war, es war wohl besser, es nicht zu rammen.
Zwischendurch gab es noch einen leichten Adrenalin-Kick. Vom Vorschiff aus rief jemand, dass recht voraus etwas im Wasser treibt. „Hol‘ mal jemand den Bootshaken“. Während ich auf der Suche nach dem Bootshaken die Backskiste durchwühlte, kam plötzlich ein aufgeregtes „Abdrehen! Abdrehen!!“. Knapp 3 Meter entfernt trieb etwas an uns vorbei, was die Form einer Fliegerbombe hatte, vielleicht 50 cm lang und blau-orange. Übungsmunition? Immerhin sind Kanal und Biskaya U-Boot-Übungsgebiet. Was auch immer es war, es war wohl besser, es nicht zu rammen.
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Kurz nach Mitternacht sieht man plötzlich drei Objekte im Wasser, die sich schnell in einem Bogen auf unser Schiff zubewegen. Sie hinterlassen einen phosphoreszierenden Schweif. Nach dem seltsamen Treibgut am Tage schießen einem Fragen durch den Kopf – nach einer Treibgut-Bombe jetzt ein U-Boot-Angriff mit Lenktorpedos? Doch statt des Einschlages passiert nichts. Plötzlich sieht man auf der anderen Seite des Schiffes etwas im Wasser, was einen phosphoreszierenden Schweif erzeugt. Es dämmert mir: Delfine! Fast 1.5 Stunden leisten sie uns Gesellschaft. 8 Tiere sind auszumachen, wie sie von der Seite anschwimmen, in der Bugwelle das Schiff begleiten und plötzlich unter und wieder auftauchen. Alles umgeben von dem gespenstischen grünlichem Schimmer. Das Meer lebt! Etwas später sind ganze Teppiche eines leichten Schimmerns auszumachen. Fischschwärme, die durch ihre Bewegung das Plankton zum Leuchten bringen? Irgendwann leuchtet das ganze Meer unter uns. In dem leichten Schimmer sind zusätzlich hellere Blitze auszumachen. Wie mit einer Röntgenbrille kann man in das Wasser sehen. Stundenlang könnte ich diesem Naturschauspiel zusehen.
Kurz nach Mitternacht sieht man plötzlich drei Objekte im Wasser, die sich schnell in einem Bogen auf unser Schiff zubewegen. Sie hinterlassen einen phosphoreszierenden Schweif. Nach dem seltsamen Treibgut am Tage schießen einem Fragen durch den Kopf – nach einer Treibgut-Bombe jetzt ein U-Boot-Angriff mit Lenktorpedos? Doch statt des Einschlages passiert nichts. Plötzlich sieht man auf der anderen Seite des Schiffes etwas im Wasser, was einen phosphoreszierenden Schweif erzeugt. Es dämmert mir: Delfine! Fast 1.5 Stunden leisten sie uns Gesellschaft. 8 Tiere sind auszumachen, wie sie von der Seite anschwimmen, in der Bugwelle das Schiff begleiten und plötzlich unter und wieder auftauchen. Alles umgeben von dem gespenstischen grünlichem Schimmer. Das Meer lebt! Etwas später sind ganze Teppiche eines leichten Schimmerns auszumachen. Fischschwärme, die durch ihre Bewegung das Plankton zum Leuchten bringen? Irgendwann leuchtet das ganze Meer unter uns. In dem leichten Schimmer sind zusätzlich hellere Blitze auszumachen. Wie mit einer Röntgenbrille kann man in das Wasser sehen. Stundenlang könnte ich diesem Naturschauspiel zusehen.


'''1500''': Mittagessen: Nudeln mit Thunfischsauce. Gelassen geht es mit 4-5 Knoten bei Westwind dahin. Noch 245 sm bis nach Bayona. Der Himmel ist bewölkt, vereinzelt gibt es Schauer, es ist jedoch nicht kalt. Mit zwei Pullovern ohne Ölzeug ist es angenehm.
'''1500:''' Mittagessen: Nudeln mit Thunfischsauce. Gelassen geht es mit 4-5 Knoten bei Westwind dahin. Noch 245 sm bis nach Bayona. Der Himmel ist bewölkt, vereinzelt gibt es Schauer, es ist jedoch nicht kalt. Mit zwei Pullovern ohne Ölzeug ist es angenehm.


Die See hat heute ein tiefes Blau, eine leichte Dünung kommt aus West, ansonsten gibt es kaum Welle. Rasmus wurde bereits einer der besonders guten Schokokekse – die eigens als Opfergabe gekauft wurden – geopfert. Bisher jedoch ohne Erfolg. In den vergangenen Tagen hat sich gezeigt, dass etwa ein Schokokeks alle 6 Stunden für einen gleichmäßig guten Wind sorgt. Hinter Falmouth haben wir wegen der Flaute geopfert, was das Zeug hielt: Himbeergeist, Kekse, Erdnüsse, Cola, Cola-Light. Aber auch da hatte es eine Weile gedauert, bis das Opfer angenommen wurde. Also heißt es warten.
Die See hat heute ein tiefes Blau, eine leichte Dünung kommt aus West, ansonsten gibt es kaum Welle. Rasmus wurde bereits einer der besonders guten Schokokekse – die eigens als Opfergabe gekauft wurden – geopfert. Bisher jedoch ohne Erfolg. In den vergangenen Tagen hat sich gezeigt, dass etwa ein Schokokeks alle 6 Stunden für einen gleichmäßig guten Wind sorgt. Hinter Falmouth haben wir wegen der Flaute geopfert, was das Zeug hielt: Himbeergeist, Kekse, Erdnüsse, Cola, Cola-Light. Aber auch da hatte es eine Weile gedauert, bis das Opfer angenommen wurde. Also heißt es warten.
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<br>Die Biskaya</span>
<br>Die Biskaya</span>


'''2000''': wieder Sonne bei leichter Bewölkung. Mit 6-7 Knoten Fahrt geht es in Richtung Bayona. Offenbar hat das Opfer von heute Nachmittag gewirkt. Leider ist der Wind nicht beständig und schläft zur Nacht hin komplett ein.
'''2000:''' wieder Sonne bei leichter Bewölkung. Mit 6-7 Knoten Fahrt geht es in Richtung Bayona. Offenbar hat das Opfer von heute Nachmittag gewirkt. Leider ist der Wind nicht beständig und schläft zur Nacht hin komplett ein.


==Sa, 11.05.02 (4. Seetag)==
==Sa, 11.05.02 (4. Seetag)==
'''1500''': Strahlend blauer Himmel, Sonne, spiegelglatte See ... und Eiseskälte. Den Versuch eines Sonnenbades auf dem Vorschiff habe ich frühzeitig abgebrochen – zur Vermeidung schwerwiegender Unterkühlung. Schade, vom windgeschütztem Cockpit aus sah das Vorschiff sehr einladend aus.
'''1500:''' Strahlend blauer Himmel, Sonne, spiegelglatte See ... und Eiseskälte. Den Versuch eines Sonnenbades auf dem Vorschiff habe ich frühzeitig abgebrochen – zur Vermeidung schwerwiegender Unterkühlung. Schade, vom windgeschütztem Cockpit aus sah das Vorschiff sehr einladend aus.


Wir sind jetzt unweit von [[Kap Finisterre]], in den nächsten Stunden dürften wir es passieren. Die Wettervorhersage verheißt jedoch nichts Gutes: S-SW 5-6, später 7! Das kann Lustig werden, insbesondere weil SW denkbar ungünstig ist, wenn man nach Süden will und sich dabei noch möglichst weit von der Küste im Osten freihalten will. Plan A: Fahrt zu den Azoren antäuschen und dann rein nach Bayona. Das „antäuschen“ hatte schon oft Einfluß auf das Wetter, beispielsweise sorgte ein „angetäuschtes“ Frühstück für Regen, ein „angetäuschtes“ Essenkochen für günstigen Wind zum Ablegen etc.
Wir sind jetzt unweit von [[Kap Finisterre]], in den nächsten Stunden dürften wir es passieren. Die Wettervorhersage verheißt jedoch nichts Gutes: S-SW 5-6, später 7! Das kann Lustig werden, insbesondere weil SW denkbar ungünstig ist, wenn man nach Süden will und sich dabei noch möglichst weit von der Küste im Osten freihalten will. Plan A: Fahrt zu den Azoren antäuschen und dann rein nach Bayona. Das „antäuschen“ hatte schon oft Einfluß auf das Wetter, beispielsweise sorgte ein „angetäuschtes“ Frühstück für Regen, ein „angetäuschtes“ Essenkochen für günstigen Wind zum Ablegen etc.


'''2000''': Der Wind hat gedreht, der angekündigte Südwind ist da. Neuer Kurs: hart am Wind Richtung Südwesten. Das Boot schiebt Lage wie lange nicht mehr. Trotz blauem Himmel scheint das Schönwettersegeln erstmal vorbei zu sein. Irgendwie habe ich mir Südwind auch immer wärmer vorgestellt.
'''2000:''' Der Wind hat gedreht, der angekündigte Südwind ist da. Neuer Kurs: hart am Wind Richtung Südwesten. Das Boot schiebt Lage wie lange nicht mehr. Trotz blauem Himmel scheint das Schönwettersegeln erstmal vorbei zu sein. Irgendwie habe ich mir Südwind auch immer wärmer vorgestellt.


Noch ist die See glatt, aber irgendwann wird sich die Welle aufbauen – dann wird es lustig in der Vorschiff-Koje. Es sind noch 110 sm bis nach Bayona, mit Kreuzschlägen 150 sm.
Noch ist die See glatt, aber irgendwann wird sich die Welle aufbauen – dann wird es lustig in der Vorschiff-Koje. Es sind noch 110 sm bis nach Bayona, mit Kreuzschlägen 150 sm.


'''2200''': Die erwartete Welle ist da. Schlafen wird anstrengend. Ständig hebt man von der Koje ab um kurz danach wieder zu landen. Durch die Krängung wird man gegen die Schiffswand gedrückt. Man spürt die Vibration des Rumpfes und dessen Verformung bei jedem Eintauchen in die Welle. Lautstark knarrt der gesamte Innen-Ausbau. Allen Widrigkeiten zum Trotz schlafe ich irgendwann ein.
'''2200:''' Die erwartete Welle ist da. Schlafen wird anstrengend. Ständig hebt man von der Koje ab um kurz danach wieder zu landen. Durch die Krängung wird man gegen die Schiffswand gedrückt. Man spürt die Vibration des Rumpfes und dessen Verformung bei jedem Eintauchen in die Welle. Lautstark knarrt der gesamte Innen-Ausbau. Allen Widrigkeiten zum Trotz schlafe ich irgendwann ein.


==So, 12.05.02 (5. Seetag)==
==So, 12.05.02 (5. Seetag)==
'''0200''': Wir liegen bei. Keine Chance, bei dem Wind sinnvoll Strecke zu machen. Als ich zu meiner Wache an Deck gehe, erwartet mich vergleichsweise warmer, aber durchgängiger Wind, Nieselregen und Dunkelheit. Irgendwie unheimlich sind die Gischtkämme auf den Wellen um uns herum. Man kann nur die Gischt erkennen, ansonsten ist es absolut dunkel, die Wellen lassen sich nur erahnen. Mittlerweile liegt die Windgeschwindigkeit bei 30-40 kn, also 7-8 Bft. Das Schiff liegt im 3ten Reff und ohne Genua bei. Laut GPS treibt es mit 1.5 kn, an Backbord ist der leuchtende Teppich unseres Kielwassers auszumachen.
'''0200:''' Wir liegen bei. Keine Chance, bei dem Wind sinnvoll Strecke zu machen. Als ich zu meiner Wache an Deck gehe, erwartet mich vergleichsweise warmer, aber durchgängiger Wind, Nieselregen und Dunkelheit. Irgendwie unheimlich sind die Gischtkämme auf den Wellen um uns herum. Man kann nur die Gischt erkennen, ansonsten ist es absolut dunkel, die Wellen lassen sich nur erahnen. Mittlerweile liegt die Windgeschwindigkeit bei 30-40 kn, also 7-8 Bft. Das Schiff liegt im 3ten Reff und ohne Genua bei. Laut GPS treibt es mit 1.5 kn, an Backbord ist der leuchtende Teppich unseres Kielwassers auszumachen.


Gegen morgen, nach 4 Stunden Wache bin ich froh über meine Koje, die Wärme und Trockenheit und den Schlaf.
Gegen morgen, nach 4 Stunden Wache bin ich froh über meine Koje, die Wärme und Trockenheit und den Schlaf.
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<br>Ein Frachter kämpft sich<br>in Richtung Kap Finisterre</span>
<br>Ein Frachter kämpft sich<br>in Richtung Kap Finisterre</span>


'''1200''': Die Entscheidung fällt: es macht keinen Sinn, weiter nach Bayona kommen zu wollen. Selbst wenn wir gut durchkommen, würde das anlegen nicht ganz unkritisch – die Einfahrt von Bayona ist nach SW offen, so dass die Ansteuerung bei SW Wind und Welle kritisch werden könnte. Neues Ziel ist [[La Coruna]], ca. 90 sm östlich. Der Wetterbericht gibt uns recht: SW 6-7, später 8, Sturmwarnung.
'''1200:''' Die Entscheidung fällt: es macht keinen Sinn, weiter nach Bayona kommen zu wollen. Selbst wenn wir gut durchkommen, würde das anlegen nicht ganz unkritisch – die Einfahrt von Bayona ist nach SW offen, so dass die Ansteuerung bei SW Wind und Welle kritisch werden könnte. Neues Ziel ist [[La Coruna]], ca. 90 sm östlich. Der Wetterbericht gibt uns recht: SW 6-7, später 8, Sturmwarnung.


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<br>Der Seegang<br>nimmt zu</span>
<br>Der Seegang<br>nimmt zu</span>


'''1930''': Die See hat sich bereits gut aufgebaut. Laut DWD ist die Wellenhöhe bei 2.5 m, einzelne Wellen schätze ich auf mehr als 4 m. Im Abstand von wenigen hundert Metern passiert uns ein Frachter. Trotz des geringen Abstands war er zeitweise wegen den Wellen nicht zu sehen. Beeindruckend kämpft sich sein Bug durch die Wellen, die Gischt spritzt meterhoch.
'''1930:''' Die See hat sich bereits gut aufgebaut. Laut DWD ist die Wellenhöhe bei 2.5 m, einzelne Wellen schätze ich auf mehr als 4 m. Im Abstand von wenigen hundert Metern passiert uns ein Frachter. Trotz des geringen Abstands war er zeitweise wegen den Wellen nicht zu sehen. Beeindruckend kämpft sich sein Bug durch die Wellen, die Gischt spritzt meterhoch.


Das Wasser und der Himmel sind stahlgrau. Irgendwann kommt aber auch die Sonne hervor – als matter, leuchtender Fleck in den Wolken. Erstaunlich, dass nur wenige Sonnenstrahlen genügen, das gesamte Szenario in einen freundlicherem Licht darzustellen.
Das Wasser und der Himmel sind stahlgrau. Irgendwann kommt aber auch die Sonne hervor – als matter, leuchtender Fleck in den Wolken. Erstaunlich, dass nur wenige Sonnenstrahlen genügen, das gesamte Szenario in einen freundlicherem Licht darzustellen.
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==Mi, 15.05.02 (La Coruna)==
==Mi, 15.05.02 (La Coruna)==
'''1200''': Sonne, Sommer, 20°C und mehr. So läßt es sich aushalten. Wir machen uns klar zum Auslaufen. Vor dem Tief am Donnerstag müssen wir um das Kap Finisterre, oder wir können es vergessen. Unklar ist jedoch noch, wie der Wind in den nächsten Stunden dort sein wird.
'''1200:''' Sonne, Sommer, 20°C und mehr. So läßt es sich aushalten. Wir machen uns klar zum Auslaufen. Vor dem Tief am Donnerstag müssen wir um das Kap Finisterre, oder wir können es vergessen. Unklar ist jedoch noch, wie der Wind in den nächsten Stunden dort sein wird.


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<br>unter Deck ist es recht wohnlich<br>und dank des ganzen Ölzeugs<br>ein wenig feucht - Vier<br>Schwimmwesten sind bereits<br>aufgegangen</span>
<br>unter Deck ist es recht wohnlich<br>und dank des ganzen Ölzeugs<br>ein wenig feucht - Vier<br>Schwimmwesten sind bereits<br>aufgegangen</span>


'''1630''': Nach intensiven Internet-Recherchen bzgl. Wetter und Studium anderer Wettervorhersagen ist die Lage unklar: von Flaute bis Süd 8 ist alles vorhergesagt. Die pessimistische Vorhersage scheint plausibler und so fällt die Entscheidung: Nicht mehr auslaufen! Zu dieser Entscheidung hat auch die Aussage des Riggers, der das Ersatzstag anfertig, beigetragen: Auch mit dem improvisierten Babystag sollten wir nicht gegen die Welle ansegeln oder motoren – am Kap Finisterre sind es laut DWD zur Zeit min. 1.5 m Welle mit Tendenz nach oben.
'''1630:''' Nach intensiven Internet-Recherchen bzgl. Wetter und Studium anderer Wettervorhersagen ist die Lage unklar: von Flaute bis Süd 8 ist alles vorhergesagt. Die pessimistische Vorhersage scheint plausibler und so fällt die Entscheidung: Nicht mehr auslaufen! Zu dieser Entscheidung hat auch die Aussage des Riggers, der das Ersatzstag anfertig, beigetragen: Auch mit dem improvisierten Babystag sollten wir nicht gegen die Welle ansegeln oder motoren – am Kap Finisterre sind es laut DWD zur Zeit min. 1.5 m Welle mit Tendenz nach oben.


Ein Sturmtief zieht gerade westlich von Portugal in Richtung Norden. Maximal hätten wir ein Zeitfenster von 24h. Zuviel Risiko für zuwenig Nutzen.
Ein Sturmtief zieht gerade westlich von Portugal in Richtung Norden. Maximal hätten wir ein Zeitfenster von 24h. Zuviel Risiko für zuwenig Nutzen.


'''Plan''': Freitag abend Mietwagen nehmen und nach Faro durchfahren. Dort wird am Samstag die Ersatzcrew ankommen und den Wagen wieder nach La Coruna fahren. Bis dahin ist entspannen und Urlaub angesagt...
'''Plan:''' Freitag abend Mietwagen nehmen und nach Faro durchfahren. Dort wird am Samstag die Ersatzcrew ankommen und den Wagen wieder nach La Coruna fahren. Bis dahin ist entspannen und Urlaub angesagt...


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