Bergung: Unterschied zwischen den Versionen
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Sofern kein extra Bergegeschirr vorhanden ist, kommen grundsätzlich zwei Bergemethoden in Frage: | Sofern kein extra Bergegeschirr vorhanden ist, kommen grundsätzlich zwei Bergemethoden in Frage: | ||
* Der Lifebelt der Person wird provisorisch mit einer Leine, z.B. Lifeline | * Der Lifebelt der Person wird provisorisch '''mit einer Leine an Bord fixiert''', z.B. Lifeline, um den Kontakt nicht zu verlieren. Eine am Lifebelt getragene persönliche Rettungsschlaufe kann diesen ersten wichtigen Schritt erheblich erleichtern. Die Person im Wasser kann mit Bootshaken herangezogen und direkt mit der Rettungsschlaufe am Schiff gesichert werden. Eine ca. 1,5 m lange und dennoch sehr leichte und kompakte [https://www.skipperguide.de/mediawiki/images/PersonalRescueLoop_CCBY40_GNU_FDL13_2021.pdf persönliche Rettungsschalufe] ([https://www.skipperguide.de/mediawiki/images/PersonalRescueLoop_CCBY40_GNU_FDL13_2021.pdf Personal Rescue Loop]) kann aus dünner aber hochfester Leine hergestellt werden. Diese muss vorher, dauernd und sicher am Lifebelt oder an der Hebeschlaufe einer Rettungsweste befestig werden. Mit einer Arbeitslast von mehr 200 kg (Bruchlast > 800 daN) ist diese Leinenverbingung auch geeignet eine Person aus dem Wasser an Bord zu heben, wenn sie mit einem Fall und/oder einem mindestens 3 m langen Flaschenzug verbunden wird. | ||
* Sofern vorhanden, wird ein unbenutztes Fall wie zum Beispiel ein 'Spifall im Lifebelt der Person' eingeklinkt und die Person wird an Bord gewinscht. Die seitliche Bergung mittels Spifall und Winschen muss dabei durchgespielt werden. Viele Spifallen reichen nur bis zum Deck, um von dort den Spi aus dem Sack zu ziehen und nicht bis ins Wasser. Daher ist die Vorbereitung einer Zusatzleine mit Karabiner zu prüfen. Bei der Sicherheitseinweisung muss eine Hebeprüfung von einer schwachen Person über die Spi-Winsch getestet werden. Kann die schwache Person die schwere MOB-Person nicht heben, muss der Einsatz von zwei Winschen geprüft werden (Tandemprinzip)! | * Sofern vorhanden, wird ein unbenutztes Fall wie zum Beispiel ein '''Spifall im Lifebelt der Person''' eingeklinkt und die Person wird an Bord gewinscht. Die seitliche Bergung mittels Spifall und Winschen muss dabei durchgespielt werden. Viele Spifallen reichen nur bis zum Deck, um von dort den Spi aus dem Sack zu ziehen und nicht bis ins Wasser. Daher ist die Vorbereitung einer Zusatzleine mit Karabiner zu prüfen. Bei der Sicherheitseinweisung muss eine Hebeprüfung von einer schwachen Person über die Spi-Winsch getestet werden. Kann die schwache Person die schwere MOB-Person nicht heben, muss der Einsatz von zwei Winschen geprüft werden (Tandemprinzip)! | ||
Falls die Person "oben-ohne" über Bord gefallen ist, kommt die Methode mit dem Spifall jedoch nicht in Frage. | Falls die Person "oben-ohne" über Bord gefallen ist, kommt die Methode mit dem Spifall jedoch nicht in Frage. | ||
* Das 'Beiboot' oder besser (weil schneller) das 'Rettungsfloß' wird ausgebracht, per Festmacher an Bord gesichert und mit zwei ebenfalls gut gesicherten Personen besetzt. Diese können dann dank niedrigerem Freibord leichter die Person aus dem Wasser in Floß oder Beiboot ziehen und somit schneller aus dem kalten Wasser bringen. Dort kann dann gegebenfalls ein Lifebelt zum Transport per Fall angelegt werden. | * Das '''Beiboot''' oder besser (weil schneller) das '''Rettungsfloß''' wird ausgebracht, per Festmacher an Bord gesichert und mit zwei ebenfalls gut gesicherten Personen besetzt. Diese können dann dank niedrigerem Freibord leichter die Person aus dem Wasser in Floß oder Beiboot ziehen und somit schneller aus dem kalten Wasser bringen. Dort kann dann gegebenfalls ein Lifebelt zum Transport per Fall angelegt werden. | ||
Jede Anstrengung der Person auch nach erfolgter Bergung ist zu vermeiden. Die Person sollte notfalls auch zwangsweise liegend gelagert werden und sich nicht aktiv bewegen, um das Risiko des [[Bergungstod]] nach der möglichen Unterkühlung zu reduzieren. Symptome für eine Unterkühlung sind zu niedrige Körperkerntemperatur und kalte Haut. Ein Entkleiden und Trocknen der Person ist nachrangig. Wichtig ist dagegen, Rumpf und Kopf warm zu halten. Hierzu sind Rettungsdecken (aus beschichteter Folie), Decken, Schlafsäcke und Plastikfolien geeignet. Arme und Beine bleiben frei und werden nicht hochgelagert. Dieser Zustand sollte aufrecht erhalten werden, bis die Kerntemperatur der Person per Thermometer überprüft wurde und sichere ca. 37 Grad erreicht hat. Ein Crewmitglied muss die Person ständig überwachen. Bei Verdacht auf Bewußtlosigkeit muss die Person in die ''Stabile Seitenlage'', auch ''NATO-Seitenlage'' genannt, gebracht werden, um ein Ersticken zu verhindern. Die Wiedererwärmung kann je nach Unterkühlungsgrad auch viele Stunden dauern. Funkärztliche Beratung sollte in Anspruch genommen werden. | Jede Anstrengung der Person auch nach erfolgter Bergung ist zu vermeiden. Die Person sollte notfalls auch zwangsweise liegend gelagert werden und sich nicht aktiv bewegen, um das Risiko des [[Bergungstod]] nach der möglichen Unterkühlung zu reduzieren. Symptome für eine Unterkühlung sind zu niedrige Körperkerntemperatur und kalte Haut. Ein Entkleiden und Trocknen der Person ist nachrangig. Wichtig ist dagegen, Rumpf und Kopf warm zu halten. Hierzu sind Rettungsdecken (aus beschichteter Folie), Decken, Schlafsäcke und Plastikfolien geeignet. Arme und Beine bleiben frei und werden nicht hochgelagert. Dieser Zustand sollte aufrecht erhalten werden, bis die Kerntemperatur der Person per Thermometer überprüft wurde und sichere ca. 37 Grad erreicht hat. Ein Crewmitglied muss die Person ständig überwachen. Bei Verdacht auf Bewußtlosigkeit muss die Person in die ''Stabile Seitenlage'', auch ''NATO-Seitenlage'' genannt, gebracht werden, um ein Ersticken zu verhindern. Die Wiedererwärmung kann je nach Unterkühlungsgrad auch viele Stunden dauern. Funkärztliche Beratung sollte in Anspruch genommen werden. | ||