Benutzer:Peter/Törnbericht Überführung Kiel-Spanien: Unterschied zwischen den Versionen

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__NOTOC__
<div style="background:#0005C0;text-align:left;color: #fff;font-weight:bold;font-size:125%;margin: 0px 5px 0px 0; padding: 4px 4px 4px 14px;">Törninfos</div>
<div style="margin: 0 5px 5px 0; border: 2px solid #0005C0; padding: 0 1em 1em 1em; background-color:#ECF1FC;">
'''Zeitraum:''' 28. April - 15. Mai 2002
'''Zeitraum:''' 28. April - 15. Mai 2002


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'''Schiff:''' MAUNA LUA unter schweizer Flagge, First 405, Bj. 1986
'''Schiff:''' MAUNA LUA unter schweizer Flagge, First 405, Bj. 1986
<small>Links zu Skipperguide
[[Kiel]] [[Vilamoura]] [[Portugal]] [[Laboe]] [[Nord-Ostsee-Kanal]] [[Falmouth]] [[Bayona]] [[Biskaya]] [[Kap Finisterre]] [[La Coruna]]</small>


<small>''Links zu Skipperguide: [[Kiel]] [[Vilamoura]] [[Portugal]] [[Laboe]] [[Nord-Ostsee-Kanal]] [[Falmouth]] [[Bayona]] [[Biskaya]] [[Kap Finisterre]] [[La Coruna]]''</small></div>
[[Image:pschrey_02_route.gif|right|thumb|300px]]


==So, 28.04.02 ([[Kiel#Stickenhörn|Kiel Stickenhörn]])==
<div style="background:#C6D6F6;text-align:left;font-weight:bold;font-size:125%;margin: 0px 5px 0px 0; padding: 4px 4px 4px 14px;">
So, 28.04.02 ([[Kiel#Stickenhörn|Kiel Stickenhörn]])</div>
Offizieller Start des Törns. In Laufe des Tages treffen alle Mitsegler ein.
Offizieller Start des Törns. In Laufe des Tages treffen alle Mitsegler ein.


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Abends erfahren wir: SW-W 7 in Elbmündung (d.h. in der Ausfahrt des NOK), keine Chance, dort raus zukommen. Eine andere Yacht hat es schon versucht – nach Stunden Kampf haben sie es offenbar aufgegeben. Frühestens Dienstag Abend ist Besserung in Sicht.
Abends erfahren wir: SW-W 7 in Elbmündung (d.h. in der Ausfahrt des NOK), keine Chance, dort raus zukommen. Eine andere Yacht hat es schon versucht – nach Stunden Kampf haben sie es offenbar aufgegeben. Frühestens Dienstag Abend ist Besserung in Sicht.


==Mo, 29.04.02 (Kiel Stickenhörn – [[Laboe]])==
<div style="background:#C6D6F6;text-align:left;font-weight:bold;font-size:125%;margin: 0px 5px 0px 0; padding: 4px 4px 4px 14px;">
Mo, 29.04.02 (Kiel Stickenhörn – [[Laboe]])</div>
0800 Aufstehen, Duschen, Frühstück.
0800 Aufstehen, Duschen, Frühstück.


Plan A muss variiert werden - Recht starker, böiger Wind (6 Bft, in Böen Spitzen bis 9) steht auf die Box, in der das Schiff liegt. Der Platz im Hafen zum manövrieren ist sehr begrenzt, und wegen dem Faltpropeller sind wir zusätzlich eingeschränkt. Zum Ablegen soll auf schwächeren Wind gewartet werden, also: erst Einkaufen, dann Laboe.
Plan A muss variiert werden - Recht starker, böiger Wind (6 Bft, in Böen Spitzen bis 9) steht auf die Box, in der das Schiff liegt. Der Platz im Hafen zum manövrieren ist sehr begrenzt, und wegen dem Faltpropeller sind wir zusätzlich eingeschränkt. Zum Ablegen soll auf schwächeren Wind gewartet werden, also: erst Einkaufen, dann Laboe.


<span class="bl"><a href="img/1_02.jpg"><img SRC="1_02.jpg" border=0></a>
[[Image:pschrey_1_02.jpg|left|thumb|Einkäufe in Kiel]]
<br>Einkäufe in Kiel</span>


Das Einkaufen für Törns ist immer ein Erlebnis. Diesmal, für 6 Personen und 3 Wochen: fünf Einkaufswagen voll, unter anderem: 6 Paletten Cola-Light, 4 Paletten Cola, 2 Paletten Dosenbier. Insgesamt 605 Euro bezahlt. Eigentlich hätte man doch wenigstens ein paar persönliche Dankesworte vom Filialleiter erwarten dürfen, oder? Zumindest wurde eigens für uns eine eigene Kasse aufgemacht...
Das Einkaufen für Törns ist immer ein Erlebnis. Diesmal, für 6 Personen und 3 Wochen: fünf Einkaufswagen voll, unter anderem: 6 Paletten Cola-Light, 4 Paletten Cola, 2 Paletten Dosenbier. Insgesamt 605 Euro bezahlt. Eigentlich hätte man doch wenigstens ein paar persönliche Dankesworte vom Filialleiter erwarten dürfen, oder? Zumindest wurde eigens für uns eine eigene Kasse aufgemacht...
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'''Abendessen:''' Spaghetti mit Broccoli-Sahne-Sauce.
'''Abendessen:''' Spaghetti mit Broccoli-Sahne-Sauce.


==Di, 30.04.02 ([[Nord-Ostsee-Kanal]])==
<div style="background:#C6D6F6;text-align:left;font-weight:bold;font-size:125%;margin: 0px 5px 0px 0; padding: 4px 4px 4px 14px;">
Di, 30.04.02 ([[Nord-Ostsee-Kanal]])</div>
0730 Aufstehen, Ausklarieren und raus ohne Frühstück. Segel hoch, endlich segeln! Die ganzen 2-3 sm zur Einfahrt NOK gekreuzt.
0730 Aufstehen, Ausklarieren und raus ohne Frühstück. Segel hoch, endlich segeln! Die ganzen 2-3 sm zur Einfahrt NOK gekreuzt.


<span class="br"><a href="img/1_05.jpg"><img SRC="1_05.jpg" border=0></a>
[[Image:pschrey_1_05.jpg|right|thumb|Die MANUA LUA in Laboe]]
<br>Die MANUA LUA in Laboe</span>
 
'''Wetter:''' nach wie vor: SW 5-6, Böen. Wechselhaft: Schauer, Sonne, Böen.
'''Wetter:''' nach wie vor: SW 5-6, Böen. Wechselhaft: Schauer, Sonne, Böen.


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Dann geht die Fahrt durch den NOK. Anfangs Sonne! Frühstück an Deck mit Rührei, Speck etc. Irgendwie war uns das Wetter aber nicht wirklich wohlgesonnen: Während des Frühstücks fing es schon an, zuzuziehen, erste Tropfen fielen vom Himmel. Wolken, Regen und Kälte begleitete uns letztendlich durch den gesamten Kanal.
Dann geht die Fahrt durch den NOK. Anfangs Sonne! Frühstück an Deck mit Rührei, Speck etc. Irgendwie war uns das Wetter aber nicht wirklich wohlgesonnen: Während des Frühstücks fing es schon an, zuzuziehen, erste Tropfen fielen vom Himmel. Wolken, Regen und Kälte begleitete uns letztendlich durch den gesamten Kanal.


<span class="bl"><a href="img/1_09.jpg"><img SRC="1_09.jpg" border=0></a>
[[Image:pschrey_1_09.jpg|left|thumb|Der Nord-Ostsee-Kanal]]
<br>Der Nord-Ostsee-Kanal</span>
 
Der NOK ist wie ein ruhiger Fluß. Unter Motor fährt man dahin, die Uferböschung immer in greifbarer Nähe. So müssen sich Binnenschiffer fühlen: gemächlich dahintuckern an grünen Landschaften vorbei. Gelegentlich sieht man einen Angler, Fahrradfahrer oder Spaziergänger, ansonsten Stille (abgesehen von unserem Motor natürlich). Gegen abend, um ca. 2100 machen wir in Brunsbüttel fest. Es ist eine witzige, kleine Marina direkt an der Schleuse zur Elbe. Ständig fahren dicke Schiffe in greifbarer Nähe vorbei. Imposant, wenn man unter Deck aus einer Luke nach oben schaut und die Aufbauten dieser Schiffe vorbeiziehen sieht.
Der NOK ist wie ein ruhiger Fluß. Unter Motor fährt man dahin, die Uferböschung immer in greifbarer Nähe. So müssen sich Binnenschiffer fühlen: gemächlich dahintuckern an grünen Landschaften vorbei. Gelegentlich sieht man einen Angler, Fahrradfahrer oder Spaziergänger, ansonsten Stille (abgesehen von unserem Motor natürlich). Gegen abend, um ca. 2100 machen wir in Brunsbüttel fest. Es ist eine witzige, kleine Marina direkt an der Schleuse zur Elbe. Ständig fahren dicke Schiffe in greifbarer Nähe vorbei. Imposant, wenn man unter Deck aus einer Luke nach oben schaut und die Aufbauten dieser Schiffe vorbeiziehen sieht.


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'''Innentemperatur:''' 16°C
'''Innentemperatur:''' 16°C


==Mi, 01.05.02 (Ablegen Richtung England)==
<div style="background:#C6D6F6;text-align:left;font-weight:bold;font-size:125%;margin: 0px 5px 0px 0; padding: 4px 4px 4px 14px;">
Mi, 01.05.02 (Ablegen Richtung England)</div>
Aufstehen gegen 0800 und klar zum Auslaufen machen. Vorher noch das Flaggenproblem lösen; auf dem Schlag von Laboe zum NOK ist uns fast unser Adenauer – respektive – Willhelm-Tell (unsere schweizer Flagge) baden gegangen, einer der zwei Bändsel hatte sich bereits gelöst. Damit aber nicht genug, zusätzlich rauschte die Leine aus, welche die Gastlandflagge & Radarreflektor hielt. Also muss jemand in den Mast und die Leine wieder an der Saling durchführen. War eine gute Übung, denn es war nicht das letzte Mal auf diesem Törn werden, wo der Bootsmannstuhl zum Einsatz kommt.
Aufstehen gegen 0800 und klar zum Auslaufen machen. Vorher noch das Flaggenproblem lösen; auf dem Schlag von Laboe zum NOK ist uns fast unser Adenauer – respektive – Willhelm-Tell (unsere schweizer Flagge) baden gegangen, einer der zwei Bändsel hatte sich bereits gelöst. Damit aber nicht genug, zusätzlich rauschte die Leine aus, welche die Gastlandflagge & Radarreflektor hielt. Also muss jemand in den Mast und die Leine wieder an der Saling durchführen. War eine gute Übung, denn es war nicht das letzte Mal auf diesem Törn werden, wo der Bootsmannstuhl zum Einsatz kommt.


Gegen 1100 geht es dann los: Tanken und dann Schleusen. Ein kauziger Tankwart, der sich während des Tankens erstmal genüßlich eine Zigarette anzündete, erklärte uns, Nordsee sei Mordsee und wünschte uns einen schönen Törn.
Gegen 1100 geht es dann los: Tanken und dann Schleusen. Ein kauziger Tankwart, der sich während des Tankens erstmal genüßlich eine Zigarette anzündete, erklärte uns, Nordsee sei Mordsee und wünschte uns einen schönen Törn.


<span class="br"><a href="img/2_03.jpg"><img SRC="2_03.jpg" border=0></a>
[[Image:pschrey_2_03.jpg|right|thumb|Die Nordsee]]
<br>Die Nordsee</span>
 
Wind SW 6-7, abnehmend.
Wind SW 6-7, abnehmend.


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==Do, 02.05.02 (2. Seetag)==
<div style="background:#C6D6F6;text-align:left;font-weight:bold;font-size:125%;margin: 0px 5px 0px 0; padding: 4px 4px 4px 14px;">
Do, 02.05.02 (2. Seetag)</div>
Gegen 0000 Helgoland in Sichtweite (ca. 6 sm) Stb querab gelassen. Wind schläft langsam ein, irgendwann wird der Motor gestartet.
Gegen 0000 Helgoland in Sichtweite (ca. 6 sm) Stb querab gelassen. Wind schläft langsam ein, irgendwann wird der Motor gestartet.


Zeile 90: Zeile 91:
Heute früh hat sich eine Taube auf dem Schiff niedergelassen. Möglicherweise wurde sie vom Wind aufs Meer getrieben. Sie wirkt recht erschöpft.
Heute früh hat sich eine Taube auf dem Schiff niedergelassen. Möglicherweise wurde sie vom Wind aufs Meer getrieben. Sie wirkt recht erschöpft.


<span class="br"><a href="img/2_05.jpg"><img SRC="2_05.jpg" border=0></a>
[[Image:pschrey_2_05.jpg|right|thumb|Eine Taube zu Gast an Bord]]
<br>Eine Taube zu Gast an Bord</span>
 
'''Wetter:''' gegen 0600 kaum Wind, kaum Welle. Jetzt: Regen, mehr Wind (ca. SO 2-3), wir segeln wieder.
'''Wetter:''' gegen 0600 kaum Wind, kaum Welle. Jetzt: Regen, mehr Wind (ca. SO 2-3), wir segeln wieder.


Zeile 109: Zeile 108:
'''Vorhersage:''' NO 5-6, später 7.
'''Vorhersage:''' NO 5-6, später 7.


==Fr, 03.05.02 (3. Seetag)==
<div style="background:#C6D6F6;text-align:left;font-weight:bold;font-size:125%;margin: 0px 5px 0px 0; padding: 4px 4px 4px 14px;">
Fr, 03.05.02 (3. Seetag)</div>
'''0630:''' Wachwechsel. Dunkel, guter Wind, kalte Finger. Der Sonnenaufgang steht bevor. Wir haben das Gebiet mit den Bohrinseln durchquert, aktuell steuern wir mit 190° auf ein Verkehrs-Trennungs-Gebiet zu. Der Wind hat sich abgeschwächt, die See ist deutlich ruhiger.
'''0630:''' Wachwechsel. Dunkel, guter Wind, kalte Finger. Der Sonnenaufgang steht bevor. Wir haben das Gebiet mit den Bohrinseln durchquert, aktuell steuern wir mit 190° auf ein Verkehrs-Trennungs-Gebiet zu. Der Wind hat sich abgeschwächt, die See ist deutlich ruhiger.


Zeile 134: Zeile 134:
Es wird Zeit zum Schlafen...
Es wird Zeit zum Schlafen...


==Sa, 04.05.02 (4. Seetag)==
<div style="background:#C6D6F6;text-align:left;font-weight:bold;font-size:125%;margin: 0px 5px 0px 0; padding: 4px 4px 4px 14px;">
Sa, 04.05.02 (4. Seetag)</div>
'''0200:''' Taube ist weg! Irgendwann gegen 2200 wurde sie aufgescheucht und ist losgeflogen. Nach einem mißlungenem Landeversuch auf der Saling ist sie in unbestimmte Richtung abgedüst. Wir alle hoffen, dass sie es bis zu einer Küste oder einem anderem Schiff schafft.
'''0200:''' Taube ist weg! Irgendwann gegen 2200 wurde sie aufgescheucht und ist losgeflogen. Nach einem mißlungenem Landeversuch auf der Saling ist sie in unbestimmte Richtung abgedüst. Wir alle hoffen, dass sie es bis zu einer Küste oder einem anderem Schiff schafft.


Zeile 147: Zeile 148:
Zeitweise scheint heute sogar die Sonne. Es tut gut, ihre wärmenden Strahlen auf den Handflächen zu spüren, die Hände waren bereits steifgefroren. Ich spüre, wie viel beweglicher die Finger werden, wenn sie von den Sonnenstrahlen berührt werden.  Nett von Rasmus, uns gerade jetzt Sonne zu gönnen und die weißen Felsen von Dover in warmen Sonnenlicht zu präsentieren.
Zeitweise scheint heute sogar die Sonne. Es tut gut, ihre wärmenden Strahlen auf den Handflächen zu spüren, die Hände waren bereits steifgefroren. Ich spüre, wie viel beweglicher die Finger werden, wenn sie von den Sonnenstrahlen berührt werden.  Nett von Rasmus, uns gerade jetzt Sonne zu gönnen und die weißen Felsen von Dover in warmen Sonnenlicht zu präsentieren.


<span class="br"><a href="img/2_13.jpg"><img SRC="2_13.jpg" border=0></a>
[[Image:pschrey_2_13.jpg|right|thumb|Die weißen Felsen von Dover querab]]
<br>Die weißen Felsen von<br>Dover querab</span>
 
In den Stunden zuvor gab es Wolken und Regen. In der Koje habe ich mich bereits gewundert, warum es sich so kalt anfühlt, ich hatte sogar das Gefühl, meinen Atem zu sehen. Ein Blick auf die Innentemperatur erklärte es: 11°C.
In den Stunden zuvor gab es Wolken und Regen. In der Koje habe ich mich bereits gewundert, warum es sich so kalt anfühlt, ich hatte sogar das Gefühl, meinen Atem zu sehen. Ein Blick auf die Innentemperatur erklärte es: 11°C.


Zeile 161: Zeile 160:
Die See ist sehr ruhig, nur eine sanfte Winddünung. Wir segeln mit halben Wind der Stärke 3, die Fahrt beträgt 5.5 Knoten. Gegen 2045 haben wir den Meridian überquert. Seltsam, dass ab jetzt die Längengrade "rückwärts" gezählt werden.
Die See ist sehr ruhig, nur eine sanfte Winddünung. Wir segeln mit halben Wind der Stärke 3, die Fahrt beträgt 5.5 Knoten. Gegen 2045 haben wir den Meridian überquert. Seltsam, dass ab jetzt die Längengrade "rückwärts" gezählt werden.


<span class="br"><a href="img/2_11.jpg"><img SRC="2_11.jpg" border=0></a>
[[Image:pschrey_2_11.jpg|right|thumb|Flaschengrünes Wasser im englischem Kanal]]
<br>Flaschengrünes Wasser im<br>englischem Kanal</span>
 
Zur Zeit liegt Brighton querab, es sind noch 186 sm nach Falmouth. Bereits jetzt ist in Sichtweite der Küste das Licht von Pubs und Duschen zu sehen. Susanne - unsere Skipperin – versichert uns aber, dass es hier keine schönen Duschen gibt, während in Falmouth die besten Duschen der Welt zu finden sind.
Zur Zeit liegt Brighton querab, es sind noch 186 sm nach Falmouth. Bereits jetzt ist in Sichtweite der Küste das Licht von Pubs und Duschen zu sehen. Susanne - unsere Skipperin – versichert uns aber, dass es hier keine schönen Duschen gibt, während in Falmouth die besten Duschen der Welt zu finden sind.


Zeile 170: Zeile 167:
'''Essen:''' Risotto mit Naturreis und Käse-Schinken-Sauce.
'''Essen:''' Risotto mit Naturreis und Käse-Schinken-Sauce.


==So, 05.05.02 (5. Seetag)==
<div style="background:#C6D6F6;text-align:left;font-weight:bold;font-size:125%;margin: 0px 5px 0px 0; padding: 4px 4px 4px 14px;">
So, 05.05.02 (5. Seetag)</div>
'''0600:''' Schlafenszeit, die Hundewache ist überstanden.
'''0600:''' Schlafenszeit, die Hundewache ist überstanden.


Zeile 179: Zeile 177:
'''1130:''' Noch 115 sm bis Falmouth. Langsam wird es Zeit für einen Hafentag: wir sind auf dem letzen Trinkwassertank (von insgesamt dreien mit 500 Litern), auch die Vorräte an Cola-Light und Süssigkeiten gehen zur Neige.
'''1130:''' Noch 115 sm bis Falmouth. Langsam wird es Zeit für einen Hafentag: wir sind auf dem letzen Trinkwassertank (von insgesamt dreien mit 500 Litern), auch die Vorräte an Cola-Light und Süssigkeiten gehen zur Neige.


<span class="br"><a href="img/3_01.jpg"><img SRC="3_01.jpg" border=0></a>
[[Image:pschrey_3_01.jpg|right|thumb|Ebene Wasserflächen - das soll die Nordsee sein?]]
<br>Ebene Wasserflächen - <br>das soll die Nordsee sein?</span>
 
Zur Zeit dümpeln wir bei schwachen umlaufenden Winden. Gerade wurde der Flautenschieber angeschmissen. Die Sonne kämpft sich langsam durch eine dichtere, hohe Schicht von Wolken, es könnte sonnig werden. Urlaubsstimmung, die letzte Wache gönnt sich gerade eine Dose Bier als Betthupferl. Zuvor gab es selbstgebackene Brötchen zum Frühstück.
Zur Zeit dümpeln wir bei schwachen umlaufenden Winden. Gerade wurde der Flautenschieber angeschmissen. Die Sonne kämpft sich langsam durch eine dichtere, hohe Schicht von Wolken, es könnte sonnig werden. Urlaubsstimmung, die letzte Wache gönnt sich gerade eine Dose Bier als Betthupferl. Zuvor gab es selbstgebackene Brötchen zum Frühstück.


Zeile 196: Zeile 192:
'''2000:''' Essen: Bratkartoffeln mit Schinken & Ei. Draußen scheint die Sonne, wir segeln(!) mit 5 Knoten. Das Opfer hat offenbar gewirkt.
'''2000:''' Essen: Bratkartoffeln mit Schinken & Ei. Draußen scheint die Sonne, wir segeln(!) mit 5 Knoten. Das Opfer hat offenbar gewirkt.


==Mo, 06.05.02. (6. Seetag)==
<div style="background:#C6D6F6;text-align:left;font-weight:bold;font-size:125%;margin: 0px 5px 0px 0; padding: 4px 4px 4px 14px;">
Mo, 06.05.02. (6. Seetag)</div>
'''0200:''' Bei leichtem NW und extrem ruhiger See geht‘s mit 5 Knoten gemächlich in Richtung Falmouth. Im ruhigem Wasser ist deutlich das grüne Glitzern des Planktons zu sehen. Was die Evolution wohl dazu veranlaßt hat, phosphoreszierendes Plankton entstehen zu lassen?
'''0200:''' Bei leichtem NW und extrem ruhiger See geht‘s mit 5 Knoten gemächlich in Richtung Falmouth. Im ruhigem Wasser ist deutlich das grüne Glitzern des Planktons zu sehen. Was die Evolution wohl dazu veranlaßt hat, phosphoreszierendes Plankton entstehen zu lassen?


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Anschließend geht’s unter die lang ersehnten Duschen. Welche Wohltat! Objektiv betrachtet waren die Duschen zwar nicht so toll, wie versprochen (weder regulierbarer Wasserstrahl noch regulierbare Temperatur), aber subjektiv gesehen fantastisch und ohne Duschzeitbegrenzung.
Anschließend geht’s unter die lang ersehnten Duschen. Welche Wohltat! Objektiv betrachtet waren die Duschen zwar nicht so toll, wie versprochen (weder regulierbarer Wasserstrahl noch regulierbare Temperatur), aber subjektiv gesehen fantastisch und ohne Duschzeitbegrenzung.


<span class="bl"><a href="img/3_02.jpg"><img SRC="3_02.jpg" border=0></a>
[[Image:pschrey_3_02.jpg|left|thumb|Falmouth]]
<br>Falmouth</span>
[[Falmouth]] ist ein nettes kleines, typisch englisches Urlaubsstädchen mit vielen Pubs und Ramschläden. Es macht Spaß, durch den Ort zu ziehen und die Schaufenster voller Kitsch zu betrachten. Zum Mittag essen wir original englische Fish&Chips. Zu meinem Erstauen ist es gar nicht so eklig, wie ich es von meinem letzten England-Aufenthalt in Erinnerung habe – der Fisch ist richtig frisch, die Chips nicht übermäßig fett-triefend.
 
Falmouth ist ein nettes kleines, typisch englisches Urlaubsstädchen mit vielen Pubs und Ramschläden. Es macht Spaß, durch den Ort zu ziehen und die Schaufenster voller Kitsch zu betrachten. Zum Mittag essen wir original englische Fish&Chips. Zu meinem Erstauen ist es gar nicht so eklig, wie ich es von meinem letzten England-Aufenthalt in Erinnerung habe – der Fisch ist richtig frisch, die Chips nicht übermäßig fett-triefend.


Gegen abend ist die Erkundung der Pubs angesagt. Tapfer halten wir bis zur Last-Order durch, fallen aber anschließend ins Bett, respektive Koje und schlafen bis 0900 Uhr durch.
Gegen abend ist die Erkundung der Pubs angesagt. Tapfer halten wir bis zur Last-Order durch, fallen aber anschließend ins Bett, respektive Koje und schlafen bis 0900 Uhr durch.
Zeile 218: Zeile 213:
Die Planung für die nächsten Tage: Dienstag Hafentag, Wäsche waschen, Einkaufen und relaxen. Auslaufen frühestens Mittwoch.
Die Planung für die nächsten Tage: Dienstag Hafentag, Wäsche waschen, Einkaufen und relaxen. Auslaufen frühestens Mittwoch.


==Di, 07.05.02 ([[Falmouth]])==
<div style="background:#C6D6F6;text-align:left;font-weight:bold;font-size:125%;margin: 0px 5px 0px 0; padding: 4px 4px 4px 14px;">Di, 07.05.02 ([[Falmouth]])</div>
Heute ist Regen angesagt: Dicke, kalte Tropfen aus einer geschlossenen, tiefhängenden Wolkendecke. Nach einem ausgiebigen Frühstück an Deck setzt er ein. Auch das sonstige Wetter in Europa ist nicht sehr vielversprechend: Cornwall 12°C, Lissabon 20°C, Faro 22°C. Wollen wir hoffen, dass es besser wird.
Heute ist Regen angesagt: Dicke, kalte Tropfen aus einer geschlossenen, tiefhängenden Wolkendecke. Nach einem ausgiebigen Frühstück an Deck setzt er ein. Auch das sonstige Wetter in Europa ist nicht sehr vielversprechend: Cornwall 12°C, Lissabon 20°C, Faro 22°C. Wollen wir hoffen, dass es besser wird.


Zeile 227: Zeile 222:
Wetteraussichten: Für kommenden Sonntag ist am Kap Finisterre S7, Böen 8-9 vorhergesagt. Wir werden voraussichtlich Sonntag dort sein und müssen dort genau nach Süden. Sieht nicht gut aus, bei diesem Wind haben wir schlechte Karten. Warten wir die nächste Vorhersage ab, aber falls es sich nicht ändert, macht es keinen Sinn, morgen auszulaufen.
Wetteraussichten: Für kommenden Sonntag ist am Kap Finisterre S7, Böen 8-9 vorhergesagt. Wir werden voraussichtlich Sonntag dort sein und müssen dort genau nach Süden. Sieht nicht gut aus, bei diesem Wind haben wir schlechte Karten. Warten wir die nächste Vorhersage ab, aber falls es sich nicht ändert, macht es keinen Sinn, morgen auszulaufen.


==Mi, 08.05.02 (Ablegen Richtung [[Bayona]])==
<div style="background:#C6D6F6;text-align:left;font-weight:bold;font-size:125%;margin: 0px 5px 0px 0; padding: 4px 4px 4px 14px;">
Mi, 08.05.02 (Ablegen Richtung [[Bayona]])</div>
Die langfristige Wetteraussicht bessert sich – für Sonntag werden nur noch S3-4 fürs Kap Finisterre vorhergesagt. Nach langem Ausschlafen legen wir gegen 1200 ab.
Die langfristige Wetteraussicht bessert sich – für Sonntag werden nur noch S3-4 fürs Kap Finisterre vorhergesagt. Nach langem Ausschlafen legen wir gegen 1200 ab.


Zeile 238: Zeile 234:
Die Wachen sind jetzt viel lockerer: jeweils nur 2 Leute werden auf Wache gehen, so dass 4 Stunden Wache von 6 Stunden Freiwache gefolgt werden.
Die Wachen sind jetzt viel lockerer: jeweils nur 2 Leute werden auf Wache gehen, so dass 4 Stunden Wache von 6 Stunden Freiwache gefolgt werden.


==Do, 09.05.02 (2. Seetag)==
<div style="background:#C6D6F6;text-align:left;font-weight:bold;font-size:125%;margin: 0px 5px 0px 0; padding: 4px 4px 4px 14px;">
Do, 09.05.02 (2. Seetag)</div>
'''0815:''' Wachende. Die Nacht war kalt, aber erträglich. Die gesamte Nacht dümpelten wir mit 4-5 Knoten und Wind aus Nord. Mittlerweile trennen uns bereits 95 sm von Falmouth.
'''0815:''' Wachende. Die Nacht war kalt, aber erträglich. Die gesamte Nacht dümpelten wir mit 4-5 Knoten und Wind aus Nord. Mittlerweile trennen uns bereits 95 sm von Falmouth.


Zeile 247: Zeile 244:
Zwischendurch gab es noch einen leichten Adrenalin-Kick. Vom Vorschiff aus rief jemand, dass recht voraus etwas im Wasser treibt. „Hol‘ mal jemand den Bootshaken“. Während ich auf der Suche nach dem Bootshaken die Backskiste durchwühlte, kam plötzlich ein aufgeregtes „Abdrehen! Abdrehen!!“. Knapp 3 Meter entfernt trieb etwas an uns vorbei, was die Form einer Fliegerbombe hatte, vielleicht 50 cm lang und blau-orange. Übungsmunition? Immerhin sind Kanal und Biskaya U-Boot-Übungsgebiet. Was auch immer es war, es war wohl besser, es nicht zu rammen.
Zwischendurch gab es noch einen leichten Adrenalin-Kick. Vom Vorschiff aus rief jemand, dass recht voraus etwas im Wasser treibt. „Hol‘ mal jemand den Bootshaken“. Während ich auf der Suche nach dem Bootshaken die Backskiste durchwühlte, kam plötzlich ein aufgeregtes „Abdrehen! Abdrehen!!“. Knapp 3 Meter entfernt trieb etwas an uns vorbei, was die Form einer Fliegerbombe hatte, vielleicht 50 cm lang und blau-orange. Übungsmunition? Immerhin sind Kanal und Biskaya U-Boot-Übungsgebiet. Was auch immer es war, es war wohl besser, es nicht zu rammen.


==Fr. 10.05.02 (3. Seetag)==
<div style="background:#C6D6F6;text-align:left;font-weight:bold;font-size:125%;margin: 0px 5px 0px 0; padding: 4px 4px 4px 14px;">
Fr. 10.05.02 (3. Seetag)</div>
Was für eine Nachtwache! Mit 7 Knoten bei raumen Wind (Stärke 4) durch die dunkle, mondlose Nacht. Es wird wärmer. Zwar bin ich immer noch in voller Montur, jedoch habe ich keine kalten Füße und Hände mehr.
Was für eine Nachtwache! Mit 7 Knoten bei raumen Wind (Stärke 4) durch die dunkle, mondlose Nacht. Es wird wärmer. Zwar bin ich immer noch in voller Montur, jedoch habe ich keine kalten Füße und Hände mehr.


Zeile 258: Zeile 256:
Kurz besuchen uns ein paar Delfine, sie haben jedoch offenbar nicht die Muße, uns länger zu begleiten und verschwinden so schnell, wie sie gekommen sind.
Kurz besuchen uns ein paar Delfine, sie haben jedoch offenbar nicht die Muße, uns länger zu begleiten und verschwinden so schnell, wie sie gekommen sind.


<span class="bl"><a href="img/3_08.jpg"><img SRC="3_08.jpg" border=0></a>
[[Image:pschrey_3_08.jpg|left|thumb|Die Biskaya]]
<br>Die Biskaya</span>
 
'''2000:''' wieder Sonne bei leichter Bewölkung. Mit 6-7 Knoten Fahrt geht es in Richtung Bayona. Offenbar hat das Opfer von heute Nachmittag gewirkt. Leider ist der Wind nicht beständig und schläft zur Nacht hin komplett ein.
'''2000:''' wieder Sonne bei leichter Bewölkung. Mit 6-7 Knoten Fahrt geht es in Richtung Bayona. Offenbar hat das Opfer von heute Nachmittag gewirkt. Leider ist der Wind nicht beständig und schläft zur Nacht hin komplett ein.


==Sa, 11.05.02 (4. Seetag)==
<div style="background:#C6D6F6;text-align:left;font-weight:bold;font-size:125%;margin: 0px 5px 0px 0; padding: 4px 4px 4px 14px;">
Sa, 11.05.02 (4. Seetag)</div>
'''1500:''' Strahlend blauer Himmel, Sonne, spiegelglatte See ... und Eiseskälte. Den Versuch eines Sonnenbades auf dem Vorschiff habe ich frühzeitig abgebrochen – zur Vermeidung schwerwiegender Unterkühlung. Schade, vom windgeschütztem Cockpit aus sah das Vorschiff sehr einladend aus.
'''1500:''' Strahlend blauer Himmel, Sonne, spiegelglatte See ... und Eiseskälte. Den Versuch eines Sonnenbades auf dem Vorschiff habe ich frühzeitig abgebrochen – zur Vermeidung schwerwiegender Unterkühlung. Schade, vom windgeschütztem Cockpit aus sah das Vorschiff sehr einladend aus.


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'''2200:''' Die erwartete Welle ist da. Schlafen wird anstrengend. Ständig hebt man von der Koje ab um kurz danach wieder zu landen. Durch die Krängung wird man gegen die Schiffswand gedrückt. Man spürt die Vibration des Rumpfes und dessen Verformung bei jedem Eintauchen in die Welle. Lautstark knarrt der gesamte Innen-Ausbau. Allen Widrigkeiten zum Trotz schlafe ich irgendwann ein.
'''2200:''' Die erwartete Welle ist da. Schlafen wird anstrengend. Ständig hebt man von der Koje ab um kurz danach wieder zu landen. Durch die Krängung wird man gegen die Schiffswand gedrückt. Man spürt die Vibration des Rumpfes und dessen Verformung bei jedem Eintauchen in die Welle. Lautstark knarrt der gesamte Innen-Ausbau. Allen Widrigkeiten zum Trotz schlafe ich irgendwann ein.


==So, 12.05.02 (5. Seetag)==
<div style="background:#C6D6F6;text-align:left;font-weight:bold;font-size:125%;margin: 0px 5px 0px 0; padding: 4px 4px 4px 14px;">
So, 12.05.02 (5. Seetag)</div>
'''0200:''' Wir liegen bei. Keine Chance, bei dem Wind sinnvoll Strecke zu machen. Als ich zu meiner Wache an Deck gehe, erwartet mich vergleichsweise warmer, aber durchgängiger Wind, Nieselregen und Dunkelheit. Irgendwie unheimlich sind die Gischtkämme auf den Wellen um uns herum. Man kann nur die Gischt erkennen, ansonsten ist es absolut dunkel, die Wellen lassen sich nur erahnen. Mittlerweile liegt die Windgeschwindigkeit bei 30-40 kn, also 7-8 Bft. Das Schiff liegt im 3ten Reff und ohne Genua bei. Laut GPS treibt es mit 1.5 kn, an Backbord ist der leuchtende Teppich unseres Kielwassers auszumachen.
'''0200:''' Wir liegen bei. Keine Chance, bei dem Wind sinnvoll Strecke zu machen. Als ich zu meiner Wache an Deck gehe, erwartet mich vergleichsweise warmer, aber durchgängiger Wind, Nieselregen und Dunkelheit. Irgendwie unheimlich sind die Gischtkämme auf den Wellen um uns herum. Man kann nur die Gischt erkennen, ansonsten ist es absolut dunkel, die Wellen lassen sich nur erahnen. Mittlerweile liegt die Windgeschwindigkeit bei 30-40 kn, also 7-8 Bft. Das Schiff liegt im 3ten Reff und ohne Genua bei. Laut GPS treibt es mit 1.5 kn, an Backbord ist der leuchtende Teppich unseres Kielwassers auszumachen.


Gegen morgen, nach 4 Stunden Wache bin ich froh über meine Koje, die Wärme und Trockenheit und den Schlaf.
Gegen morgen, nach 4 Stunden Wache bin ich froh über meine Koje, die Wärme und Trockenheit und den Schlaf.


<span class="br"><a href="img/4_01.jpg"><img SRC="4_01.jpg" border=0></a>
[[Image:pschrey_4_01.jpg|right|thumb|Ein Frachter kämpft sich<br>in Richtung Kap Finisterre]]
<br>Ein Frachter kämpft sich<br>in Richtung Kap Finisterre</span>
 
'''1200:''' Die Entscheidung fällt: es macht keinen Sinn, weiter nach Bayona kommen zu wollen. Selbst wenn wir gut durchkommen, würde das anlegen nicht ganz unkritisch – die Einfahrt von Bayona ist nach SW offen, so dass die Ansteuerung bei SW Wind und Welle kritisch werden könnte. Neues Ziel ist [[La Coruna]], ca. 90 sm östlich. Der Wetterbericht gibt uns recht: SW 6-7, später 8, Sturmwarnung.
'''1200:''' Die Entscheidung fällt: es macht keinen Sinn, weiter nach Bayona kommen zu wollen. Selbst wenn wir gut durchkommen, würde das anlegen nicht ganz unkritisch – die Einfahrt von Bayona ist nach SW offen, so dass die Ansteuerung bei SW Wind und Welle kritisch werden könnte. Neues Ziel ist [[La Coruna]], ca. 90 sm östlich. Der Wetterbericht gibt uns recht: SW 6-7, später 8, Sturmwarnung.


<span class="bl"><a href="img/4_08.jpg"><img SRC="4_08.jpg" border=0></a>
[[Image:pschrey_4_08.jpg|left|thumb|Der Seegang nimmt zu]]
<br>Der Seegang<br>nimmt zu</span>
 
'''1930:''' Die See hat sich bereits gut aufgebaut. Laut DWD ist die Wellenhöhe bei 2.5 m, einzelne Wellen schätze ich auf mehr als 4 m. Im Abstand von wenigen hundert Metern passiert uns ein Frachter. Trotz des geringen Abstands war er zeitweise wegen den Wellen nicht zu sehen. Beeindruckend kämpft sich sein Bug durch die Wellen, die Gischt spritzt meterhoch.
'''1930:''' Die See hat sich bereits gut aufgebaut. Laut DWD ist die Wellenhöhe bei 2.5 m, einzelne Wellen schätze ich auf mehr als 4 m. Im Abstand von wenigen hundert Metern passiert uns ein Frachter. Trotz des geringen Abstands war er zeitweise wegen den Wellen nicht zu sehen. Beeindruckend kämpft sich sein Bug durch die Wellen, die Gischt spritzt meterhoch.


Das Wasser und der Himmel sind stahlgrau. Irgendwann kommt aber auch die Sonne hervor – als matter, leuchtender Fleck in den Wolken. Erstaunlich, dass nur wenige Sonnenstrahlen genügen, das gesamte Szenario in einen freundlicherem Licht darzustellen.
Das Wasser und der Himmel sind stahlgrau. Irgendwann kommt aber auch die Sonne hervor – als matter, leuchtender Fleck in den Wolken. Erstaunlich, dass nur wenige Sonnenstrahlen genügen, das gesamte Szenario in einen freundlicherem Licht darzustellen.


==Mo, 13.05.02 ([[La Coruna]])==
<div style="background:#C6D6F6;text-align:left;font-weight:bold;font-size:125%;margin: 0px 5px 0px 0; padding: 4px 4px 4px 14px;">
Mo, 13.05.02 ([[La Coruna]])</div>
Um ca. 0600 machen wir fest in La Coruna. Seit Falmouth sind wir 639 sm vorangekommen, insgesamt haben wir 1345 sm im Kielwasser. Es regnet in Strömen und es ist noch stockdunkel. Das Anlegerbier wird während des Morgengrauen eingenommen und noch bewußter genossen als bei der Ankunft in Falmouth. Plötzlich wirkt alles friedlich und ruhig. Endlich ist erholsames Schlafen möglich.
Um ca. 0600 machen wir fest in La Coruna. Seit Falmouth sind wir 639 sm vorangekommen, insgesamt haben wir 1345 sm im Kielwasser. Es regnet in Strömen und es ist noch stockdunkel. Das Anlegerbier wird während des Morgengrauen eingenommen und noch bewußter genossen als bei der Ankunft in Falmouth. Plötzlich wirkt alles friedlich und ruhig. Endlich ist erholsames Schlafen möglich.


Am Abend wird die Stadt erkundet und in einem kleinem, typisch spanischen Restaurant zu Abend gegessen. La Coruna ist eine im Stadtzentrum hübsche, spanische Stadt. Es gibt unzählige einheimische Restaurants und Bars, macht jedoch keinen touristischen Eindruck.
Am Abend wird die Stadt erkundet und in einem kleinem, typisch spanischen Restaurant zu Abend gegessen. La Coruna ist eine im Stadtzentrum hübsche, spanische Stadt. Es gibt unzählige einheimische Restaurants und Bars, macht jedoch keinen touristischen Eindruck.


<span class="br"><a href="img/5_08.jpg"><img SRC="5_08.jpg" border=0></a>
[[Image:pschrey_5_08.jpg|right|thumb|La Coruna]]
<br>La Coruna</span>
 
Zurück am Schiff gibt es dann eine Überraschung: Die Tide hat das Schiff weit abgesenkt, so dass zwischen Kai-Mauer und Schiff ca. 3 m liegen. Nach anfänglicher Ratlosigkeit klappt es dann, an einer Want entlangeführten Fallen herunterzuklettern um an Bord zu kommen.
Zurück am Schiff gibt es dann eine Überraschung: Die Tide hat das Schiff weit abgesenkt, so dass zwischen Kai-Mauer und Schiff ca. 3 m liegen. Nach anfänglicher Ratlosigkeit klappt es dann, an einer Want entlangeführten Fallen herunterzuklettern um an Bord zu kommen.


Möglicherweise wird La Coruna der letzte Hafen dieser Reise sein: Der Wetterbericht sagt weiterhin S-W 6 und mehr voraus, das nächste Tief steht bereits in der Warteschlange und kommt voraussichtlich Donnerstag.
Möglicherweise wird La Coruna der letzte Hafen dieser Reise sein: Der Wetterbericht sagt weiterhin S-W 6 und mehr voraus, das nächste Tief steht bereits in der Warteschlange und kommt voraussichtlich Donnerstag.


==Di, 14.05.02 (La Coruna)==
<div style="background:#C6D6F6;text-align:left;font-weight:bold;font-size:125%;margin: 0px 5px 0px 0; padding: 4px 4px 4px 14px;">
<span class="br"><a href="img/5_01.jpg"><img SRC="5_01.jpg" border=0></a>
Di, 14.05.02 (La Coruna)</div>
<br>Der Landgang ist bei<br>Niedrigwasser ein wenig<br>beschwerlich</span>
[[Image:pschrey_5_01.jpg|right|thumb|Der Landgang ist bei Niedrigwasser ein wenig beschwerlich]]
 
Kurz nach 9 Uhr morgens werden wir durch ein lautes Zischen geweckt: Durch die Feuchtigkeit unter Deck hat sich eine Rettungsweste geöffnet. Schön, dass es nicht schon unterwegs passiert ist. Insgesamt öffnen sich 4(!) Schwimmwesten.
Kurz nach 9 Uhr morgens werden wir durch ein lautes Zischen geweckt: Durch die Feuchtigkeit unter Deck hat sich eine Rettungsweste geöffnet. Schön, dass es nicht schon unterwegs passiert ist. Insgesamt öffnen sich 4(!) Schwimmwesten.


Tagsüber können wir die Seele baumeln lassen und La Coruna genießen. Der Sommer ist da: Mit T-Shirt und z.T. kurzer Hose ist es richtig angenehm. Auch das Klettern aufs Schiff bei Niedrigwasser wird Routine.
Tagsüber können wir die Seele baumeln lassen und La Coruna genießen. Der Sommer ist da: Mit T-Shirt und z.T. kurzer Hose ist es richtig angenehm. Auch das Klettern aufs Schiff bei Niedrigwasser wird Routine.


<span class="bl"><a href="img/5_05.jpg"><img SRC="5_05.jpg" border=0></a>
[[Image:pschrey_5_05.jpg|left|thumb|das alte Babystag tut's nicht mehr]]
<br>das alte Babystag<br>tut's nicht mehr</span>
 
Nebenbei sind ein paar Arbeiten am Schiff fällig: wie wir gestern festgestellt haben, ist irgendwann unterwegs das Babystag gebrochen. Eine Festmacherleine, geführt über einen Flaschenzug soll das Babystag ersetzen. Sie setzt zwar am Mast tiefer an und ist nicht so steif wie das vorherige Stag, ist aber besser, als gar nichts. Zusätzlich ist sie sogar ins Cockpit geführt. Wer hat sonst sowas: ein vom Cockpit trimmbares Babystag?!
Nebenbei sind ein paar Arbeiten am Schiff fällig: wie wir gestern festgestellt haben, ist irgendwann unterwegs das Babystag gebrochen. Eine Festmacherleine, geführt über einen Flaschenzug soll das Babystag ersetzen. Sie setzt zwar am Mast tiefer an und ist nicht so steif wie das vorherige Stag, ist aber besser, als gar nichts. Zusätzlich ist sie sogar ins Cockpit geführt. Wer hat sonst sowas: ein vom Cockpit trimmbares Babystag?!


==Mi, 15.05.02 (La Coruna)==
<div style="background:#C6D6F6;text-align:left;font-weight:bold;font-size:125%;margin: 0px 5px 0px 0; padding: 4px 4px 4px 14px;">
Mi, 15.05.02 (La Coruna)</div>
'''1200:''' Sonne, Sommer, 20°C und mehr. So läßt es sich aushalten. Wir machen uns klar zum Auslaufen. Vor dem Tief am Donnerstag müssen wir um das Kap Finisterre, oder wir können es vergessen. Unklar ist jedoch noch, wie der Wind in den nächsten Stunden dort sein wird.
'''1200:''' Sonne, Sommer, 20°C und mehr. So läßt es sich aushalten. Wir machen uns klar zum Auslaufen. Vor dem Tief am Donnerstag müssen wir um das Kap Finisterre, oder wir können es vergessen. Unklar ist jedoch noch, wie der Wind in den nächsten Stunden dort sein wird.


<span class="bl"><a href="img/6_02.jpg"><img SRC="6_02.jpg" border=0></a>
[[Image:pschrey_6_02.jpg|left|thumb|unter Deck ist es recht wohnlich und dank des ganzen Ölzeugs ein wenig feucht - Vier Schwimmwesten sind bereits aufgegangen]]
<br>unter Deck ist es recht wohnlich<br>und dank des ganzen Ölzeugs<br>ein wenig feucht - Vier<br>Schwimmwesten sind bereits<br>aufgegangen</span>
 
'''1630:''' Nach intensiven Internet-Recherchen bzgl. Wetter und Studium anderer Wettervorhersagen ist die Lage unklar: von Flaute bis Süd 8 ist alles vorhergesagt. Die pessimistische Vorhersage scheint plausibler und so fällt die Entscheidung: Nicht mehr auslaufen! Zu dieser Entscheidung hat auch die Aussage des Riggers, der das Ersatzstag anfertig, beigetragen: Auch mit dem improvisierten Babystag sollten wir nicht gegen die Welle ansegeln oder motoren – am Kap Finisterre sind es laut DWD zur Zeit min. 1.5 m Welle mit Tendenz nach oben.
'''1630:''' Nach intensiven Internet-Recherchen bzgl. Wetter und Studium anderer Wettervorhersagen ist die Lage unklar: von Flaute bis Süd 8 ist alles vorhergesagt. Die pessimistische Vorhersage scheint plausibler und so fällt die Entscheidung: Nicht mehr auslaufen! Zu dieser Entscheidung hat auch die Aussage des Riggers, der das Ersatzstag anfertig, beigetragen: Auch mit dem improvisierten Babystag sollten wir nicht gegen die Welle ansegeln oder motoren – am Kap Finisterre sind es laut DWD zur Zeit min. 1.5 m Welle mit Tendenz nach oben.


Zeile 328: Zeile 317:
'''Plan:''' Freitag abend Mietwagen nehmen und nach Faro durchfahren. Dort wird am Samstag die Ersatzcrew ankommen und den Wagen wieder nach La Coruna fahren. Bis dahin ist entspannen und Urlaub angesagt...
'''Plan:''' Freitag abend Mietwagen nehmen und nach Faro durchfahren. Dort wird am Samstag die Ersatzcrew ankommen und den Wagen wieder nach La Coruna fahren. Bis dahin ist entspannen und Urlaub angesagt...


<span class="br"><a href="img/5_09.jpg"><img SRC="5_09.jpg" border=0></a>
[[Image:pschrey_5_09.jpg|right|thumb|Kleiner, mehrgängiger Abendsnack aus der Bordküche]]
<br>Kleiner, mehrgängiger Abendsnack<br>aus der Bordküche</span>


==Schlußbemerkung==
<div style="background:#C6D6F6;text-align:left;font-weight:bold;font-size:125%;margin: 0px 5px 0px 0; padding: 4px 4px 4px 14px;">
Schlußbemerkung</div>
Anfangs war ich mir unsicher, ob ich diesen Törn buchen soll - mit mir bis dato unbekannten Leuten drei Wochen auf engsten Raum leben? Drei ganze Wochen?
Anfangs war ich mir unsicher, ob ich diesen Törn buchen soll - mit mir bis dato unbekannten Leuten drei Wochen auf engsten Raum leben? Drei ganze Wochen?


Ich habe mich dafür entschieden und keine Sekunde diese Entscheidung bereut. Die Stimmung an Bord war ausgesprochen gut, der Törn ein Erlebnis wert!
Ich habe mich dafür entschieden und keine Sekunde diese Entscheidung bereut. Die Stimmung an Bord war ausgesprochen gut, der Törn ein Erlebnis wert!


Das eigentliche Ziel des Törns konnten wir leider nicht erreichen. Das "Sahnehäupchen" des Törns - Schönwettersegeln in der Algarve - blieb uns vergönnt. Das ist schade, aber zu verkraften. So hatten wir ein paar schöne Tage in La Coruna und auch wenn das Wetter uns nicht immer wohlgesonnen war, so hatten wir die meiste Zeit optimale Bedingungen... Seglerisch sind wir voll auf unsere Kosten gekommen.  
Das eigentliche Ziel des Törns konnten wir leider nicht erreichen. Das "Sahnehäupchen" des Törns - Schönwettersegeln in der Algarve - blieb uns vergönnt. Das ist schade, aber zu verkraften. So hatten wir ein paar schöne Tage in La Coruna und auch wenn das Wetter uns nicht immer wohlgesonnen war, so hatten wir die meiste Zeit optimale Bedingungen... Seglerisch sind wir voll auf unsere Kosten gekommen.


Die MAUNA LUA war ein ausgesprochen gutes Schiff. Komplett anders als nach dem ersten Eindruck war sie extrem gut in Schuss. Sie lag perfekt im Ruder, so perfekt, dass man sich gelegentlich - aufgrund des geringen Widerstandes - fragen musste, ob das Ruder überhaupt noch dran ist. Mit Nässe gab es keine Probleme, selbst während des ständig überspülten Vorschiffs bei Kap Finisterre drangen nur einzelne Tropfen in den Innenraum. Seglerisch war es eine Freude, sie zu segeln: bei leichtesten Winden sprang sie an, schweres Wetter nahm sie gelassen dahin.  
Die MAUNA LUA war ein ausgesprochen gutes Schiff. Komplett anders als nach dem ersten Eindruck war sie extrem gut in Schuss. Sie lag perfekt im Ruder, so perfekt, dass man sich gelegentlich - aufgrund des geringen Widerstandes - fragen musste, ob das Ruder überhaupt noch dran ist. Mit Nässe gab es keine Probleme, selbst während des ständig überspülten Vorschiffs bei Kap Finisterre drangen nur einzelne Tropfen in den Innenraum. Seglerisch war es eine Freude, sie zu segeln: bei leichtesten Winden sprang sie an, schweres Wetter nahm sie gelassen dahin.


Auch, wenn ich unterwegs - insbesondere ausgelaugt durch Kälte und Schlafmangel - den Gedanken hatte, mein nächster Törn sollte relaxtes daysailing in Kroatien oder Inselhopping in Griechenland werden, so würde ich - wenn ich die Chance hätte - diesen Törn jederzeit nochmal machen - am Besten sofort.
Auch, wenn ich unterwegs - insbesondere ausgelaugt durch Kälte und Schlafmangel - den Gedanken hatte, mein nächster Törn sollte relaxtes daysailing in Kroatien oder Inselhopping in Griechenland werden, so würde ich - wenn ich die Chance hätte - diesen Törn jederzeit nochmal machen - am Besten sofort.