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== Ankerplatz ==
== Ankerplatz ==
Der Ankerplatz sollte einen geeigneten '''Ankergrund''' aufweisen, d.h. vom Grund her so beschaffen sein, dass sich der Anker gut eingraben kann. Guter Halt ist bei festem Sand und bei lehmigem Grund gegeben. Unterwasserbewuchs wie Seegras kann die Haltekraft deutlich reduzieren, weil sich der Anker nicht so gut eingraben kann. Das selbe gilt natürlich für Steine und
Ein guter Ankerplatz sollte vor allem anderen '''Schutz vor Seegang''' bieten. Dies erfordert eine gute Abdeckung gegen die Windsee und möglichst wenig Schwell aus anderen Richtungen. Hierbei sollten sowohl mögliche Änderungen der Windrichtung als auch die mögliche Umlenkung von Wellen an Kaps, am Eingang einer Bucht oder die mögliche Reflektion von Wellen an steilen Ufern mit bedacht werden; sowie die Bug- und Heckwellen von vorbeifahrenden großen Schiffen oder Fähren. Kräftige vertikale Bewegungen des Schiffs durch hohen Seegang am Ankerplatz stellen eine besonders große Gefahr für den Halt des Ankers dar. Der Seegang kann im Prinzip nur durch die Wahl eines geschützten Ankerplatzes klein gehalten werden.  
Felsen. Diese Untergründe sind ohnehin ungeeignet, da hier oft Hänger auftreten. Aus Naturschutzgründen strengstens verboten sind Korallen und auch die Posidonia - Rasen im Mittelmeer sollten geschont werden.


Der Ankergrund ist in der Regel in den Seekarten angegeben, geeignete Ankerplätze sind dort oft explizit gekennzeichnet oder in Revierführern beschrieben.
Der Ankerplatz sollte einen geeigneten '''Ankergrund''' aufweisen, d.h. vom Grund her so beschaffen sein, dass sich der Anker gut eingraben kann. Guter Halt ist bei festem Sand und bei lehmigem Grund gegeben. Unterwasserbewuchs wie Seegras kann die Haltekraft deutlich reduzieren, weil sich der Anker nicht so gut eingraben kann. Das selbe gilt natürlich für Steine und Felsen. Diese Untergründe sind ohnehin ungeeignet, da hier oft Hänger auftreten. Aus Naturschutzgründen strengstens verboten sind Korallen und auch die Posidonia - Rasen im Mittelmeer sollten geschont werden. Der Ankergrund ist in der Regel in den Seekarten angegeben, geeignete Ankerplätze sind dort oft explizit gekennzeichnet oder in Revierführern beschrieben.


Die optimale '''Wassertiefe''' ist abhängig von den Faktoren Windstärke, Seegang in Hinblick auf die nötige [[#Länge der Ankerkette]]. 5-10m haben sich als gut geeignet erwiesen. Bei Seegang muss die Wassertiefe so gewählt werden, dass auch im tiefsten Wellental immer noch "eine Handbreit" Wasser unter dem Kiel bleibt. Bei Tidengewässern ist der Sicherheitsabstand zum Grund immer mit dem niedrigsten Pegel zu rechnen. Für die Länge der Ankerkette sollte sowohl der maximale Pegel und Gezeitenströmungen mit berücksichtigt werden.
Die optimale '''Wassertiefe''' ist abhängig von den Faktoren Windstärke, Seegang in Hinblick auf die nötige [[#Länge der Ankerkette]]. 5-10 m haben sich als gut geeignet erwiesen. Bei Seegang muss die Wassertiefe so gewählt werden, dass auch im tiefsten Wellental immer noch "eine Handbreit" Wasser unter dem Kiel bleibt. Bei Tidengewässern ist der Sicherheitsabstand zum Grund immer mit dem niedrigsten Pegel zu rechnen. Für die Bestimmung der benötigten [[#Länge der Ankerkette]] sollte erstens der maximale Pegel und zweitens die maximale Gezeitenströmungen mit berücksichtigt werden.


'''Wind und Strom''': Es sollte stets bei ablandigem Wind geankert werden. Bricht der Anker mal aus, dann besteht nicht gleich die Gefahr einer Strandung. Der Wind/Strom sollte nicht zu stark sein, eine gut geschützte Bucht ist einer weit offenen natürlich vorzuziehen. Diese Vorgaben können selbstverständlich nicht immer eingehalten werden.
'''Wind und Strom''': Es sollte stets bei ablandigem Wind und mit ausreichend Abstand zur Lee-Küste geankert werden. Bricht der Anker mal aus, dann besteht nicht gleich die Gefahr einer Strandung.  
Vorsicht ist an der Lee-Seite steiler Klippen angebracht: hier besteht die Gefahr von Fallböen, also plötzlich auftretenden, starken Böen, die von den Klippen herabwehen.
Der Wind/Strom sollte nicht zu stark sein, eine gut geschützte Bucht ist einer weit offenen natürlich vorzuziehen. Diese Vorgaben können selbstverständlich nicht immer eingehalten werden.
Vorsicht ist an der Lee-Seite steiler Klippen angebracht: Hier besteht die Gefahr von Fallböen, also plötzlich auftretenden, starken Böen, die von den Klippen herabwehen und im Lee der Klippen u.U. plötzlich die Windrichtung vollständig umkeheren können.


'''Platz''': Die Ankerbucht muss selbstverständlich über hinreichend Platz verfügen. Zu beachten ist, dass das Schiff sich um 360° um den Anker drehen kann (schwojen). Das muss bei der Wahl des Ankerplatzes mit einbezogen werden, innerhalb des Schwojkreises muss also an jedem Punkt genügend Wassertiefe sein. In Tidengewässern vergrössert sich der Schwojkreis bei fallendem Wasser, bei steigendem Wasser verringert sich die Haltekraft des Ankers (steilerer Kettenwinkel) - also ggf. Kettenlänge anpassen oder Ankerplatz wechseln.
'''Platz''': Die Ankerbucht muss selbstverständlich über hinreichend Platz verfügen. Zu beachten ist, dass das Schiff sich um 360° um den Anker drehen kann (schwojen). Das muss bei der Wahl des Ankerplatzes mit einbezogen werden, innerhalb des Schwojkreises muss also an jedem Punkt genügend Wassertiefe sein. In Tidengewässern vergrössert sich der Schwojkreis bei fallendem Wasser, bei steigendem Wasser verringert sich die Haltekraft des Ankers (steilerer Kettenwinkel) - also ggf. Kettenlänge anpassen oder Ankerplatz wechseln.
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[[Bild:PrinzipPflugscharanker.png|thumb|right|300px|Prinzip eines Pflugscharankers]]
[[Bild:PrinzipPflugscharanker.png|thumb|right|300px|Prinzip eines Pflugscharankers]]


Moderne, auf Yachten geläufige Anker sind Pflugscharanker (auch CQR genannt) oder vergleichbare Anker nach selben Funktionsprinzip. Diese Anker graben sich ähnlich eines Pflugs in den Grund. Dadurch wird eine optimale Haltekraft im Bezug auf das Ankergewicht erreicht. Ein noch besseres Leistungsgewicht haben Delta-Plattenanker, auch Danforth-Anker, für die allerdings die meisten Bughalterungen auf Segelyachten nicht ausgelegt sind. Auf großen Schiffen sind sie fast nur noch anzutreffen.
Auf Yachten geläufige Anker sind Pflugscharanker (auch CQR genannt) oder vergleichbare Anker nach selbem Funktionsprinzip. Diese Anker graben sich ähnlich eines Pflugs in den Grund. Dadurch wird eine optimale Haltekraft im Bezug auf das Ankergewicht erreicht. Inzwischen gibt es noch deutlich bessere Anker der nächsten Generation wie Spade, Rocna, Mantus und Excel, sodass ein QCR nicht mehr empfohlen werden kann. Ein noch besseres Leistungsgewicht haben Delta-Plattenanker, auch Danforth-Anker, für die allerdings die meisten Bughalterungen auf Segelyachten nicht ausgelegt sind. Zudem reissen diese Plattenanker sehr leicht aus, wenn der Wind dreht. Auf großen Schiffen sind sie fast nur noch anzutreffen.


''Die von historischen Zeichnungen und Symbolen bekannten Stockanker haben im Vergleich dazu meist zwei Flunken, von denen sich jeweils nur einer eingraben kann. Damit erreicht man nur die halbe Effizienz im Vergleich zu einem Pflugscharanker, dafür kann man ihn aber auch auf steinigen und bewachsenen Grund einsetzen.''
''Die von historischen Zeichnungen und Symbolen bekannten Stockanker haben im Vergleich dazu meist zwei Flunken, von denen sich jeweils nur einer eingraben kann. Damit erreicht man nur die halbe Effizienz im Vergleich zu einem Pflugscharanker, dafür kann man ihn aber auch auf steinigen und bewachsenen Grund einsetzen.''
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Für die waagerechte Zugkomponente ist die Ankerkette verantwortlich. Durch das hohe Gewicht der Kette bleibt ihr Ende bei mäßigem Zug auf dem Grund liegen. Besonders bei stärkeren Winden muss genug Kette ausgebracht worden sein, damit die Kraft aus der Ankerkette möglichst parallel zum Meeresboden oder mit einem sehr kleinen Winkel am Anker ansetzt. Eine ausreichende Länge der Ankerkette ist somit ein wichtiger Sicherheitsaspekt (s.u.).
Für die waagerechte Zugkomponente ist die Ankerkette verantwortlich. Durch das hohe Gewicht der Kette bleibt ihr Ende bei mäßigem Zug auf dem Grund liegen. Besonders bei stärkeren Winden muss genug Kette ausgebracht worden sein, damit die Kraft aus der Ankerkette möglichst parallel zum Meeresboden oder mit einem sehr kleinen Winkel am Anker ansetzt. Eine ausreichende Länge der Ankerkette ist somit ein wichtiger Sicherheitsaspekt (s.u.).


'''Ankergewicht'''
'''Ankergewicht:'''
Wieviel Anker braucht das Boot? Nach einer Faustregel gilt für den CQR: Länge des Bootes in Fuß = Gewicht des Ankers in (engl.) Pfund. Demnach wäre für ein 40 ft. Boot ein 40lbs. Anker ausreichend (1lbs=0,45..kg).
Wieviel Anker braucht das Boot? Nach einer Faustregel gilt für den CQR: Länge des Bootes in Fuß = Gewicht des Ankers in (engl.) Pfund. Demnach wäre für ein 40 ft. Boot ein 40lbs. Anker ausreichend (1lbs=0,45..kg). Dem widerspricht allerdings, dass die Haltekraft eines Ankers nur ungefähr proportional mit dem Gewicht des Ankers anwächst, während die Windlast deutlich stärker, nämlich ungefähr quadratisch, mit der Länge des Bootes anwächst.  
Abhängig vom Wirkprinzip sind die Herstellerempfehlungen dann sehr unterschiedlich. Plattenanker können eher leichter sein, Stockanker dagegen sehr viel schwerer.
Abhängig vom Wirkprinzip sind die Herstellerempfehlungen sehr unterschiedlich. Plattenanker können eher leichter sein, Stockanker dagegen sehr viel schwerer.
Beim beliebten Bügelanker wird gar nicht die Bootslänge zugrundegelegt, sondern das Gewicht des Bootes.
Beim beliebten Bügelanker wird gar nicht die Bootslänge zugrundegelegt, sondern das Gewicht des Bootes.
Generell hält der Anker natürlich umso besser, je schwerer er ist. Da die Tendenz zu immer größeren Booten ungebrochen ist, kommt man für das Ankergewicht schnell in einen Bereich, in dem man den Anker nicht mehr ohne weiteres von Muskelkraft ohne Hilfsmittel bewegen kann.
Generell hält der Anker natürlich umso besser, je schwerer er ist. Da die Tendenz zu immer größeren Booten ungebrochen ist, kommt man für das Ankergewicht schnell in einen Bereich, in dem man den Anker nicht mehr ohne weiteres von Muskelkraft ohne Hilfsmittel bewegen kann.
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Zur erforderlichen Länge der Ankerkette gibt es sehr unterschiedliche Hinweise. Einige Lehrbücher enthalten Hinweise auf sehr kurze Längen der Ankerkette (z.B. 3-5-fache Wassertiefe), die ursprünglich eher auf große Schiffe und tiefe Ankergründe bezogen zu sein scheinen. Diese sind nach Meinung und Erfahrung vieler Skipper auf Yachten in der Praxis nicht oder nur bei sehr schwachen Winden ausreichend. Bei der Berücksichtigung von stärkeren Winden und möglichen Böen werden deshalb meist deutlich höhere Faktoren und andere Methoden zur Bestimmung der Länge der Ankerkette empfohlen.  
Zur erforderlichen Länge der Ankerkette gibt es sehr unterschiedliche Hinweise. Einige Lehrbücher enthalten Hinweise auf sehr kurze Längen der Ankerkette (z.B. 3-5-fache Wassertiefe), die ursprünglich eher auf große Schiffe und tiefe Ankergründe bezogen zu sein scheinen. Diese sind nach Meinung und Erfahrung vieler Skipper auf Yachten in der Praxis nicht oder nur bei sehr schwachen Winden ausreichend. Bei der Berücksichtigung von stärkeren Winden und möglichen Böen werden deshalb meist deutlich höhere Faktoren und andere Methoden zur Bestimmung der Länge der Ankerkette empfohlen.  


Die Zugkräfte vom Schiff werden über die ggf. gestreckte Kette auf den Anker im Meeresboden übertragen. Dabei können folgende wichtige '''Einflüsse auf die Kräfte, die am Anker wirken''', mit Auswirkungen auf seine Haltekraft genannt werden. Die Entscheidung für einen Ankerplatz und die Länge der Ankerkette sollte neben der räumlichen Situation vor Ort diese Faktoren für die wirkenden Kräfte berücksichtigen:
Die Zugkräfte vom Schiff werden über die ggf. gestreckte Kette auf den Anker im Meeresboden übertragen. Dabei können folgende wichtige '''Einflüsse auf die Kräfte''' genannt werden, '''die am Anker wirken''' und Auswirkungen auf seinen Halt im Meeresgrund haben. Die Entscheidung für einen Ankerplatz sollte neben der Situation vor Ort und der Länge der Ankerkette diese Faktoren für die wirkenden Kräfte berücksichtigen:


* '''Windgeschwindigkeit:''' Die Kräfte durch den Widerstand des Schiffs im Wind nehmen im Prinzip mit steigender Windgeschwindigkeit quadratisch zu. Bei doppelter Windgeschwindigkeit sollte mit einer vierfachen Kraft gerechnet werden.
* '''Windgeschwindigkeit:''' Die Kräfte durch den Widerstand des Schiffs im Wind nehmen im Prinzip mit steigender Windgeschwindigkeit quadratisch zu. Bei doppelter Windgeschwindigkeit sollte mit einer vierfachen Kraft gerechnet werden.
* '''Böen:''' Böen können in wenigen Sekunden sehr viel Energie auf das Boot übertragen, welche irgendwo absorbiert werden muss. Sei es durch ein weiteres Durchsetzen der Kette oder eine weitere Dehnung der Trosse / Ankerstropp / Hahnepot.
* '''Strömung:''' Die Strömung und ggf. auch wechselnde Tiedenströme wirken durch den Widerstand des Schiffs im Wasser als zusätzliche Kraft auf das Schiff. Im Prinzip addieren sich die Kraftvektoren. Für Segeljachten ergibt sich aus einem Knoten Strömungsgeschwindigkeit schätzungsweise oft eine ähnliche Kraft wie aus einer Windstärke.   
* '''Strömung:''' Die Strömung und ggf. auch wechselnde Tiedenströme wirken durch den Widerstand des Schiffs im Wasser als zusätzliche Kraft auf das Schiff. Im Prinzip addieren sich die Kraftvektoren. Für Segeljachten ergibt sich aus einem Knoten Strömungsgeschwindigkeit schätzungsweise oft eine ähnliche Kraft wie aus einer Windstärke.   
* '''Zugwinkel am Anker:''' Die Tiefe vom Bug zum Anker und die Länge der Ankerkette bestimmen, in welchem vertikalen Winkel die Kräfte auf den Anker wirken. Im Prinzip ist die Haltekraft bei einem parallelen Verlauf der Ankerkette zum Meersboden am größten. Bei zunehmender Kraft und gestreckter Kette stellt sich ein Winkel ein abhängig von der Tiefe vom Bug zum Anker und der Länge der Ankerkette. Je größer der Winkel zwischen Ankerschaft und Meeresboden wird, desto geringer ist die Haltekraft des Ankers und desto eher droht er aus dem Grund zu brechen. Schon kleine Winkel von ca. 10 Grad veringern die Haltekraft deutlich um ca. 30 %. Hierbei sollte ein stark abfallender Meersboden in seinem schrägen Verlauf mit berücksichtigt werden.
[[Datei:Winkel_Ankerschaft_Meeresgrund_klein.jpg|mini|513px|Die Haltekraft des Ankers bei Belastung ist Abhängig vom Winkel zwischen Ankerschaft und Meeresgrund]]
* '''Länge des Schiffs:''' Die Kraftspitzen, die vom Bug auf die Ankerkette übertragen werden, hängen bei Seegang und Schwojen ganz wesentlich vom Abstand zwischen dem Bug und der vertikalen und horizontalen Drehachse des Schiffs ab. Dieser Abstand wirkt bei gespannter Kette als Hebel an der Ankerkette. Bei einem Abstand zwischen Bug und Kiel von ca. 40 % der Schiffslänge ergibt sich für eine Ankerkette von mindestens doppelter Schiffslänge ein Hebel des Schiffrumpfs von 1:5 an der gespannten Kette. Ab vierfacher Schiffslänge betägt der Hebel nur noch 1:10 und zusätzlich zum Anker gewinnt die Kette bei leichtem durchhängen durch ihre eigene Masse eine geringe dämpfende Wirkung.  
* '''Zugwinkel am Anker:''' 1. Die '''Tiefe vom Bug''' zum Anker und 2. die '''Länge der Ankerkette''' und 3. der '''Verlauf des Meeresgrunds''' bestimmen, in welchem vertikalen Winkel die Kräfte auf den Anker wirken. Im Prinzip ist die Haltekraft bei einem parallelen Verlauf der Ankerkette zum Meersboden am größten. Bei zunehmender Kraft und gestreckter Kette stellt sich ein Winkel ein abhängig von der Tiefe vom Bug zum Anker und der Länge der Ankerkette. Je größer der Winkel zwischen Ankerschaft und Meeresboden wird, desto geringer ist die Haltekraft des Ankers und desto eher droht er aus dem Grund zu brechen. Schon kleine Winkel von ca. 10 Grad veringern die Haltekraft deutlich um ca. 30 % (siehe [https://www.skipperguide.de/mediawiki/images/Min_anchor_chain_length_2019_10_20_DE.pdf Winkel und Haltekraft bei horizontalem Meeresgrund]). Zusätzlich muss ein [http://www.nautisches-lexikon.de/b_seem/ankermanoever/c.html#grundverlauf abfallender Meersgrund] in seinem schrägen Verlauf mit berücksichtigt werden. Nahe am Ufer kann man mit Leinen zum Land ankern, um einen ansteigenenden Grundverlauf für sich nutzen zu können. Der Anker sollte dazu möglichst in tieferem Wasser liegen als das Schiff, nie in deutlich flacherem. Für einen minimalen Zugwinkel in alle Richtungen liegt er am besten in einer kleinen Senke oder auf einer Flachstelle des Meeresbodens, jedoch nicht auf einer Erhebung.  
* '''Geschwindigkeit und Masse des Schiffs:''' Beim Einfahren in die Ankerkette und Abbremsen einer Bewegung des Schiffs bestimmen die Geschwindigkeit der Bewegung und die Masse des Schiffs aufgrund ihrer Trägheit die Kraft, die auf die Ankerkette wirkt. Die Geschwindigkeit hat hierbei den größten (quadartischen) Einfluss: Bewegungsenergie = 1/2 x Masse x Geschwindigkeit². Deshalb sollt ruckartiges Steifkommen und schnelles "Surfen" an der Ankerkette durch Stabilisierung im Wind und in den Wellen möglichst unterbunden werden.
* '''Länge des Schiffs:''' Die Kraftspitzen, die vom Bug auf die Ankerkette übertragen werden, hängen bei Seegang und Schwojen ganz wesentlich vom Abstand zwischen dem Bug und der vertikalen und horizontalen Drehachse des Schiffs ab. Dieser Abstand wirkt bei gespannter Kette als Hebel an der Ankerkette. Bei einem Abstand zwischen Bug und Kiel von ca. 40 % der Schiffslänge ergibt sich für eine Ankerkette von mindestens doppelter Schiffslänge ein Hebel des Schiffrumpfs von 1:5 an der gespannten Kette. Ab vierfacher Schiffslänge betägt der Hebel nur noch 1:10 und zusätzlich zum Anker gewinnt die Kette bei leichtem Durchhängen durch ihre eigene Masse eine geringe dämpfende Wirkung.  
* '''Seegang:''' Bei hohem Seegang am Ankerplatz und je nach Wirkung auf den Schiffsrumpf kann nach einer Aufwärtsbewegungen die Ankerkette sehr plötzlich steifkommen, das Schiff mit hohen Kraftspitzen in die Kette einrucken und den Anker nach oben ausreißen. In der Aufwärtsbewegung des Schiffs vergrößert sich gleichzeitig der Winkel am Anker. Kräftige vertikale Bewegungen stellen deshalb eine besondere Gefahr für den Halt des Ankers dar. Der Seegang kann im Prinzip nur durch die Wahl des Ankerplatzes klein gehalten werden. Ein guter Ankerplatz sollte Abdeckung gegen die Windsee bieten und möglichst wenig Schwell aus anderen Richtungen aufweisen. Hierbei sollten auch die mögliche Umlenkung von Wellen an Kaps, am Eingang einer Bucht oder die mögliche Reflektion von Wellen an steilen Ufern sowie die Bug- und Heckwellen von vorbeifahrenden großen Schiffen oder Fähren mit bedacht werden.
* '''Geschwindigkeit und Masse des Schiffs:''' Beim Einfahren in die Ankerkette und Abbremsen einer Bewegung des Schiffs bestimmen die Geschwindigkeit der Bewegung und die Masse des Schiffs aufgrund ihrer Trägheit die Kraft, die auf die Ankerkette wirkt. Die Geschwindigkeit hat hierbei den größten (quadratischen) Einfluss: Bewegungsenergie = 1/2 x Masse x Geschwindigkeit². Deshalb sollt ruckartiges Steifkommen und schnelles "Surfen" an der Ankerkette durch Stabilisierung im Wind und in den Wellen möglichst unterbunden werden.
* '''Schwojen:''' Das Schwojen und die daraus entstehenden Kraftspitzen beim Abbremsen und Einfahren in die Ankerkette sollten möglichst klein gehalten werden. Die Tendenz zum Schwojen hängt von vielen Faktoren wie der Position des Masts, der Bauform des Kiels und des Schiffs ab. Schwojen lässt sich verringern, in dem der Windwiderstand auf dem Vorschiff verkleinert wird, z.B. durch Abnehmen einer Rollgenua. Außerdem sollte das Schiff achtern im Wasser durch ein festgestelltes Ruder stabilisiert werden. Bei Bedarf kann auch eine kleine achterliche Tuchfläche im Wind den Bug im Wind stabilisieren. 
* '''Elastizität''' der Verbindung vom Bug zum Anker: Eine straffe Kette hat nur sehr geringe Elastizität. Kraftspitzen vom Bug übertragen sich deshalb sehr direkt auf den Anker. Eine zusätzliche Ankertrosse zwischen Bug und Ankerkette kann durch ihre Elastizität einen Teil der dynamischen Kräfte und ihre Energie aufnehmen und dadurch die Kraftspitzen die am Anker wirken verringern. Die Minderung der Kraftspitzen in einer Ankertrosse kann besonders bei stürmischem Wind oder starker Bewegung des Schiffs durch Seegang oder Schwojen wichtig werden.


In der Praxis ist meist eine einfache '''Faustformel zur Einschätzung einer minimalen Länge der Ankerkette''' hilfreich. Für typische Segelyachten kann eine erste Orientierung aus dem Produkt aus der  '''  Tiefe ab Bug zum Anker (m)  x  maximaler Windstärke inklusive möglicher Böen (Bft)  '''  abgeleitet werden. Dadurch werden die Windgeschwindigkeit als Quelle der Energie und der Winkel am Anker hinsichtlich der Haltekraft als zwei wichtige Faktoren berücksichtigt. Als Minimum sollte für die Windstärke der Faktor 5 in der Regel nicht unterschritten werden. Für Starkwindböen bis Windstärke 7 wird als Länge der Ankerkette die 7-fache Tiefe ab Bug zunächst als ausreichend eingeschätzt. Diese einfache Einschätzung kann grafisch in Bezug auf Tiefe, Windstärke, Winkel, relative Haltekraft des Ankers und Länge dargestellt werden. Hier als PDF und '''Beispiel für eine 15 m Segelyacht''': [https://www.skipperguide.de/mediawiki/images/Min_anchor_chain_length_2019_10_20_DE.pdf Hinweise zur Länge der Ankerkette], auch auf Englisch [https://www.skipperguide.de/mediawiki/images/Min_anchor_chain_length_2019_10_20_EN.pdf Notes on length of anchor chain].  
* '''Seegang:''' Bei hohem Seegang am Ankerplatz und je nach Wirkung auf den Schiffsrumpf kann nach einer Aufwärtsbewegungen die Ankerkette sehr plötzlich steifkommen, das Schiff mit hohen Kraftspitzen in die Kette einrucken und den Anker nach oben ausreißen. In der Aufwärtsbewegung des Schiffs vergrößert sich gleichzeitig der Winkel am Anker. Kräftige vertikale Bewegungen stellen deshalb eine besonders große Gefahr für den Halt des Ankers dar. Der Seegang kann im Prinzip nur durch die Wahl des Ankerplatzes klein gehalten werden (siehe Hinweise zum [[#Ankerplatz]]).
* '''Schwojen:''' Das Schwojen und die daraus entstehenden Kraftspitzen beim Abbremsen und Einfahren in die Ankerkette sollten möglichst klein gehalten werden. Die Tendenz zum Schwojen hängt von vielen Faktoren wie der Position des Masts, der Bauform des Kiels und des Schiffs ab. Schwojen lässt sich verringern, in dem der Windwiderstand auf dem Vorschiff verkleinert wird, z.B. durch Abnehmen einer Rollgenua. Außerdem sollte das Schiff achtern im Wasser durch ein festgestelltes Ruder stabilisiert werden. Bei Bedarf kann auch eine kleine achterliche Tuchfläche den Bug im Wind stabilisieren. 
* '''Elastizität''' der Verbindung vom Bug zum Anker: Eine straffe Kette, wie sie insbesondere beim Ankern in sehr flachem Wasser bei Böen oder Schwell sehr schnell auftritt, hat nur eine sehr geringe Elastizität. Kraftspitzen vom Bug übertragen sich deshalb sehr direkt auf den Anker. Eine zusätzliche Ankertrosse oder ein langer Ankerstropp / Hahnepot zwischen Bug und Ankerkette kann durch ihre Elastizität einen substantiellen Teil der dynamischen Kräfte und ihre Energie aufnehmen und dadurch die Kraftspitzen die am Anker wirken deutlich verringern. Die Minderung der Kraftspitzen in einer Ankertrosse kann besonders bei stürmischem Wind oder starker Bewegung des Schiffs durch Seegang oder Schwojen wichtig werden. Hierzu wird eine [https://www.ibn-online.de/artikel/2046/Radolfzell-Sicher-fest Trosse mit hoher Dehnngsfähigkeit] aus Polyamid oder geschlagenem Polyester zwischen dem Ende der Ankerkette und dem Bug des Schiffs eingesetzt. Die Möglichkeit zur Energieaufnahme wächst entsprechend der Dehnungsfähigkeit mit zunehmender Länge. Für Ankersituationen mit starkem Seegang und stürmischem Wind sollten effektive Trossenlängen von zumindest 15 bis 20 m hinzugefügt werden, um eine deutliche Elastizität zu erzielen. Diese elastische Länge kann auch erreicht werden, indem die Trosse über den Bugbeschlag weiter über Deck zu einer Mittschiffsklampe geführt wird. Wichtig ist dabei, die Trosse am Bugbeschlag und allen möglichen Scheuerstellen z.B. mit einem Stück Schlauch gegen Durchscheuern zu schützen.  


Zusätzlich sollte die '''doppelte Schiffslänge (m)''' als weiteres Minimum gelten, um die Hebelkräfte des Schiffsrumpfs zu begrenzen. Erst bei sehr langen Ankerketten, z.B. ab der vierfachen Schiffslänge, gewinnt das Eigengewicht der Kette und ihr Durchhang auf dem Weg vom Bug zum Anker auch bei höheren Kräften eine leicht dämpfende Wirkung. Solange die Kette nicht gestreckt wird, bleibt die Haltekraft am Anker vollständiger erhalten, so dass für sehr langen Ankerketten etwas geringe Faktoren zur Bestimmung der Länge angesetzt werden können.  
In der Praxis ist meist eine einfache '''Faustformel zur Einschätzung einer minimalen Länge der Ankerkette''' hilfreich. Für typische Segelyachten kann eine erste Orientierung aus dem Produkt aus der  '''   Tiefe ab Bug zum Anker (m)   x  maximaler Windstärke inklusive möglicher Böen (Bft)  '''   abgeleitet werden. Dadurch werden 1. der Winkel am Anker hinsichtlich der Haltekraft und 2. die Windgeschwindigkeit als Quelle der Energie als zwei wichtige Faktoren berücksichtigt. Als Optimum und gerade noch ausreichend für Starkwindböen bis Windstärke 7 wird zunächst eine Länge der Ankerkette entsprechend der 7-fache Tiefe ab Bug eingeschätzt. Hierbei ist allerdings ein ungünstiger abfallender Verlauf des Meeresgrundes zustäzlich zu berücksichtigen, da sich der Winkel am Anker dadurch erhöhen und die Haltekraft abnehmen kann.


Der tatsächliche Halt des Ankers im Ankergrund sollte jedoch immer unter Berücksichtigung weiterer Einflüsse in der konkreten Situation vor Ort, insbesondere für den speziellen Anker und Meersgrund bewertet und möglichst auch durch Belastung mit den zu erwartenden Kräften getestet werden.
Zusätzlich zu der einfachen Faustformel sollte für die Windstärke der '''Faktor 5 und die doppelte Schiffslänge (m) als Minimum''' berücksichtigt werden, um die Hebelkräfte des Schiffsrumpfs zu begrenzen.


Regeln die sich ausschließlich auf die Wassertiefe beziehen begrenzen zwar den Winkel zum Anker, vernachlässigen dabei aber wesentliche Faktoren, die beim Ankern in geringen Wassertiefen mit kleineren Schiffen und Yachten Bedeutung haben: 1. den grundlegenden und quadratisch zunehmenden Einfluss der Windgeschwindigkeit auf die wirkenden Kräfte, 2. die Größe des Schiffs, seine Masse und die wirksamen Hebel, 3. den zuätzlichen Abstand vom Bug zur Wasseroberfläche.
Kommentar: Diese Faustregeln widersprechen weiten Teilen des Textes hier. Es ist gut, wenn die Faustformel die Windstärke berücksichtigt, aber die benötigte minimale Kettenlänge ist nicht linear in der Wassertiefe und daher sind alle Formeln mit Vielfachen der Wassertiefe eher falsch als richtig. Zumindest können sie nicht für tiefe und flache Ankerplätze gleichermaßen gelten. Dies kann etwas verbessert werden, wenn man in diesen Formeln die Wassertiefe durch (Wassertiefe + Bootslänge)/2 ersetzt. Zudem gehen die Schwere der Kette oder irgendwelche anderen Eigenschaften des Bootes nicht in diese Formeln ein. Wenn ich z.B. statt einer 8 mm Kette eine 12 mm Kette verwenden würde, dann könnte die Kette um die 30% kürzer sein und würde immer noch waagerecht am Anker angreifen. Kommentar Ende.
 
Die anfängliche Einschätzung einer minimalen Länge der Ankerkette kann grafisch in Bezug auf Tiefe, Windstärke, Winkel, relative Haltekraft des Ankers und die Länge der Ankerkette dargestellt werden, hier als '''Beispiel für eine 15 m Segelyacht''': [https://www.skipperguide.de/mediawiki/images/Min_anchor_chain_length_2019_10_20_DE.pdf Hinweise zur Länge der Ankerkette], auch auf Englisch [https://www.skipperguide.de/mediawiki/images/Min_anchor_chain_length_2019_10_20_EN.pdf Notes on length of anchor chain].
 
Bei stürmischen Windböen sollten zur Steigerung der Haltekraft längere Ankerketten und zusätzliche Maßnahmen zur Begrenzung der Kraftspitzen am Anker durch [https://www.segeln-kurs270.de/content/Technik/Anker/Anker.html zusätzlichen Einsatz einer elastischen Ankertrosse] genutzt werden. Denn tatsächlich steigt die Windenergie sogar quadratisch mit der Windgeschwindigkeit und zunehmender Seegang und Schwojen können zu kritischen Kraftspitzen führen. [https://www.sfv-strongbow.com/images/Toernberater/MathAnkern.pdf Mathematik des Ankerns und Nutzung einer elastischen Trosse] [https://trimaran-san.de/die-kettenkurve-oder-wie-ein-mathematiker-ankert/ Die Kettenkurve - oder wie ein Mathematiker ankert].
 
Erst bei sehr langen Ankerketten, z.B. ab der vierfachen Schiffslänge, gewinnt das Eigengewicht der Kette und ihr Durchhängen auf dem Weg vom Bug zum Anker auch bei höheren Kräften eine leicht dämpfende Wirkung. Solange die Kette nicht gestreckt wird, bleibt die Haltekraft am Anker vollständiger erhalten, so dass für sehr lange Ankerketten etwas geringe Faktoren zur Bestimmung der Länge angesetzt werden können.
 
Der tatsächliche Halt des Ankers im Ankergrund sollte jedoch immer unter Berücksichtigung weiterer Einflüsse in der konkreten Situation vor Ort, insbesondere für den speziellen Anker und Meersgrund bewertet und möglichst auch durch Belastung mit den zu erwartenden maximalen Kräften getestet werden.
 
Regeln, die sich ausschließlich auf die Wassertiefe beziehen, begrenzen zwar den Winkel zum Anker, vernachlässigen dabei aber wesentliche Faktoren, die beim Ankern in geringen Wassertiefen mit kleineren Schiffen und Yachten Bedeutung haben: 1. den zuätzlichen Abstand vom Bug zur Wasseroberfläche, 2. den grundlegenden und quadratisch zunehmenden Einfluss der Windgeschwindigkeit auf die wirkenden Kräfte, 3. die Größe des Schiffs, seine Masse und die wirksamen Hebel.
 
Wie relevant dynamische Effekte für das Boot sind hängt stark von dessen Konstruktion ab. Je schwerer ein Boot im Verhältnis zu seiner Windangriffsfläche ist, desto weniger ist es von durch Böen verursachte dynamische Effekte betroffen. Das gleiche gilt für das Verhältnis von Gewicht zu Unterwasserschiffangriffsfläche bzgl. Schwell. Aus diesem Grund sind moderne Yachten und insbesondere Mehrrümpfer von den dynamischen Effekten deutlich stärker betroffen als schwere konventionelle Verdränger.
 
Es gibt inzwischen einige gute Online Rechner, dies es einem erlauben, die am Anker auftretende dynamische Spitzenlast und die minimal benötigte Kettenlänge abzuschätzen. Erwähnt seien hier die beiden Rechner http://svamanda.dk/anchor/intro und http://www.anchorchaincalculator.com . Beide beruhen auf dem gleichen mathematisch-physikalischen Energiebilanz Model, welches im Grunde eine Erweiterung des von Harald Melwisch verwendeten Models ist.


== Ankermanöver ==
== Ankermanöver ==
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;4. Anker ausbringen: [[#Länge der Ankerkette]] mindestens '''5-fache Tiefe ab Bug zum Anker !''' <br /> Boot rückwärts laufen lassen (bei Bedarf Maschine rückwärts einkuppeln), die Kette wird kontinuierlich nachgegeben. Ggf. Kettenlauf stoppen und die Kette etwas straffen lassen. Ziel ist es, sie möglichst gerade auszulegen. '''Achtung:''' Das Boot darf keine große Geschwindigkeit beim Rückwärtsfahren erreichen! Wenn dann der Anker plötzlich faßt, hat sich schon so mancher die Winsch aus dem Deck geholt!
;4. Anker ausbringen: [[#Länge der Ankerkette]] mindestens '''5-fache Tiefe ab Bug zum Anker !''' <br /> Boot rückwärts laufen lassen (bei Bedarf Maschine rückwärts einkuppeln), die Kette wird kontinuierlich nachgegeben. Ggf. Kettenlauf stoppen und die Kette etwas straffen lassen. Ziel ist es, sie möglichst gerade auszulegen. '''Achtung:''' Das Boot darf keine große Geschwindigkeit beim Rückwärtsfahren erreichen! Wenn dann der Anker plötzlich faßt, hat sich schon so mancher die Winsch aus dem Deck geholt!


;5. Anker kontrollieren / einfahren: ist die notwendige Kettenlänge ausgebracht, muss der Ankerhalt kontrolliert werden. In der Regel reicht es, mit eingekuppeltem Rückwärtsgang im Leerlauf die Ankerkette anzuspannen und über Peilung zweier Objekte an Land den Sitz des Ankers sicherzustellen (siehe [[#Ankerwache]], bzw. Ankerpeilung). Besser noch ist es, die Maschinenleistung rückwärts zu steigern, sobald die Kette stramm gekommen ist. Der Ankermann fühlt mit der Hand oder dem Fuß auf der Kette, ob sich Rucke oder Vibrationen zeigen - dann slippt der Anker. Bei reinem Leerlaufzug kann sich der Anker z.B. in Kraut festhalten, kommt aber bei größerer Last wieder los. Ein eingefahrener Anker gibt ruhigeren Schlaf!
;5. Anker kontrollieren / einfahren: ist die notwendige Kettenlänge ausgebracht, muss der Ankerhalt kontrolliert werden. In der Regel reicht es, mit eingekuppeltem Rückwärtsgang im Leerlauf die Ankerkette anzuspannen und über Peilung zweier Objekte an Land den Sitz des Ankers sicherzustellen (siehe [[#Ankerwache]], bzw. Ankerpeilung). Besser noch ist es, die Maschinenleistung rückwärts zu steigern, sobald die Kette stramm gekommen ist. Der Ankermann fühlt mit dem Schuh an der Kette, ob sich Rucke oder Vibrationen zeigen - dann slippt der Anker. Bei reinem Leerlaufzug kann sich der Anker z.B. in Kraut festhalten, kommt aber bei größerer Last wieder los. Ein eingefahrener Anker gibt ruhigeren Schlaf!


'''Achtung: '''
'''Achtung: '''
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* Um sicher zu gehen, wie der Anker liegt und ob er sich gut eingegraben hat, sollte der Anker abgetaucht oder mit einem Sichtkasten oder ähnlichem überprüft werden.
* Um sicher zu gehen, wie der Anker liegt und ob er sich gut eingegraben hat, sollte der Anker abgetaucht oder mit einem Sichtkasten oder ähnlichem überprüft werden.
* Die Ankerkette sollte beim Auslegen in gerader Linie gelegt werden. Bei zuviel Kette am gleichen Ort kann ein Kettenwuhling entstehen.
* Die Ankerkette sollte beim Auslegen in gerader Linie gelegt werden. Bei zuviel Kette am gleichen Ort kann ein Kettenwuhling entstehen.
* Beim Einfahren des Ankers kann der Ankermann mit der Hand oder Fuß an der Kette fühlen, ob die Kette ruckt. Hierzu wird die stehende Kette leicht von oben berührt. Schleift der Anker über den Grund, sind entsprechende Vibrationen bzw. ein Rucken zu spüren.
* Beim Einfahren des Ankers kann der Ankermann mit dem Schuh an der Kette fühlen, ob die Kette ruckt (wegen erheblicher Kräfte und Verletzungsgefahr nicht mit der Hand und nicht barfuß). Hierzu wird die stehende Kette mit der Schuhsole leicht von oben berührt. Schleift der Anker über den Grund, sind entsprechende Vibrationen bzw. ein Rucken zu spüren.
* Die Ankerwinsch ist ''nicht geeignet'', den Zug der Kette aufzunehmen. Sie muss mit einem Kettenstopper entlastet werden. Dafür gibt es spezielle Kettenklauen, die ausserbord über die Kette geschoben und die Leinen durch die Bugklüse geführt an der Vorschiffklampe belegt werden. Ersatzweise hilft auch ein durch die Kette gezogener Festmacher oder eine Leine mit Stopperstek (achtung: geringere Zugfestigkeit bei dünnem Material!). Dadurch werden gleichzeitig störende Kettengeräusche reduziert. . Durch eine leicht asymmetrische Ausrichtung des Boots zur Kette läßt sich mitunter auch das Schwojen reduzieren. Dazu befestigt man einen Festmacher mitttels Stopperstek an der Kette und führt die Leine über die mittlere oder hintere Klüse auf eine Klampe.
* Die Ankerwinsch ist ''nicht geeignet'', den Zug der Kette aufzunehmen. Sie muss mit einem Kettenstopper entlastet werden. Dafür gibt es spezielle Kettenklauen, die ausserbord über die Kette geschoben und die Leinen durch die Bugklüse geführt an der Vorschiffklampe belegt werden. Ersatzweise hilft auch ein durch die Kette gezogener Festmacher oder eine Leine mit Stopperstek (achtung: geringere Zugfestigkeit bei dünnem Material!). Dadurch werden gleichzeitig störende Kettengeräusche reduziert. . Durch eine leicht asymmetrische Ausrichtung des Boots zur Kette läßt sich mitunter auch das Schwojen reduzieren. Dazu befestigt man einen Festmacher mitttels Stopperstek an der Kette und führt die Leine über die mittlere oder hintere Klüse auf eine Klampe.
* Manche Ankertypen graben sich besser ein, wenn bei "Fallen Anker" leichte Fahrt rückwärts gemacht wird. Sie "fliegen" dann mit der Flunke nach unten dem Boden zu. Zu hohe Fahrt kann aber auch im Gegenteil das Eingraben verhindern, weil der Anker über den Grund "hüpft".
* Manche Ankertypen graben sich besser ein, wenn bei "Fallen Anker" leichte Fahrt rückwärts gemacht wird. Sie "fliegen" dann mit der Flunke nach unten dem Boden zu. Zu hohe Fahrt kann aber auch im Gegenteil das Eingraben verhindern, weil der Anker über den Grund "hüpft".
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Abhängig von den bestehenden und erwarteten Bedingungen kann die Ankerwache unterschiedlich gestaltet sein. Der typische Fall ist ein regelmäßiger Blick alle 1-2 Stunden auf das Wetter, um zu kontrollieren, ob sich die Windrichtung geändert und ob der Wind zugenommen hat (drehender Wind kann den Anker ausbrechen lassen). Bei starkem Wind kann eine häufige Kontrolle notwendig sein, ob man selbst oder andere ins slippen kommen. Extreme Formen der Ankerwachen können so aussehen, dass die Crew seeklar bereitsteht um ohne Verzögerung den Ankerplatz verlassen zu können.
Abhängig von den bestehenden und erwarteten Bedingungen kann die Ankerwache unterschiedlich gestaltet sein. Der typische Fall ist ein regelmäßiger Blick alle 1-2 Stunden auf das Wetter, um zu kontrollieren, ob sich die Windrichtung geändert und ob der Wind zugenommen hat (drehender Wind kann den Anker ausbrechen lassen). Bei starkem Wind kann eine häufige Kontrolle notwendig sein, ob man selbst oder andere ins slippen kommen. Extreme Formen der Ankerwachen können so aussehen, dass die Crew seeklar bereitsteht um ohne Verzögerung den Ankerplatz verlassen zu können.


Bei viel freiem Raum zu anderen Schiffen und/oder Land kann man die Tiefenwarnung des Lots und die GPS Warneinrichtung bei Positionsabweichung zur Überwachung mitbenutzen.
Bei viel freiem Raum zu anderen Schiffen und/oder Land kann man die Tiefenwarnung des Lots und die GPS Warneinrichtung bei Positionsabweichung zur Überwachung mitbenutzen. Hier ist eine Übersicht über viele Apps auf Telefonen und Tabletts: [https://trimaran-san.de/anchor-alarm-apps-overview/ Vergleich Ankeralarme]


== Varianten ==
== Varianten ==
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Viele GPS erlauben auch eine automatische Ankerwachfunktion zu aktivieren. Man kann einen Schwojkreis-Radius eingeben und wird geweckt, wenn das Schiff diesen Bereich verlassen sollte. Das ist bei uns Standard, auch wenn es etwas Strom braucht.
Viele GPS erlauben auch eine automatische Ankerwachfunktion zu aktivieren. Man kann einen Schwojkreis-Radius eingeben und wird geweckt, wenn das Schiff diesen Bereich verlassen sollte. Das ist bei uns Standard, auch wenn es etwas Strom braucht.
Andreas Dostmann, Tamins Schweiz
Andreas Dostmann, Tamins Schweiz
=== Literatur ===
* [https://www.yachtrevue.at/fahrtensegeln/richtig_ankern-3510 Richtig Ankern. Warum die Kettenlänge und Wassertiefe entscheidend sind und manche Lehrmeinung falsch ist. Harald Melwisch in Yachtrevue 5/2011, S. 52ff] und [https://esys.org/esys/anker-FahrlaessigesAnkern.pdf Fahrlässiges Ankern]
* [https://www.cruisersforum.com/forums/f118/calculating-scope-can-be-very-misleading-137516.html Calculating scope can be misleading (angle at anchor incl. Slope of seabed)]
* [https://www.trimaran-san.de/die-kettenkurve-oder-wie-ein-mathematiker-ankert Die Kettenkurve - oder wie ein Mathematiker ankert (Englisch)]
* [https://www.petersmith.net.nz/boat-anchors/catenary Kettenlinie und Längen-Tiefenverhältnis von Ankerketten (Englisch)]
* [http://www.nautisches-lexikon.de/b_seem/ankermanoever/c.html#grundverlauf Winkel bei abfallendem Meersgrund]
* [https://www.sfv-strongbow.com/images/Toernberater/MathAnkern.pdf Mathematik des Ankerns und Nutzung einer elastischen Leine]
* [https://www.ibn-online.de/artikel/2046/Radolfzell-Sicher-fest Trosse mit hoher Dehnungsfähigkeit]
* [https://www.practical-sailor.com/sails-rigging-deckgear/anchor-snubber-shock-load-test Snubbers - elastische Leine zum Reduzieren der Spitzenlast auf Kette und Anker(English)]