Mann-über-Bord Manöver: Unterschied zwischen den Versionen

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==Allgemeines und Grundsätzliches==
==Allgemeines und Grundsätzliches==
Ein Überbordgehen eines Crewmitglieds kann eine sehr kritische Situation darstellen. Schnelles und richtiges Handeln ist extrem wichtig.
Ein Überbordgehen eines Crewmitglieds ist immer eine sehr kritische Situation. Schnelles und richtiges Handeln ist extrem wichtig.


===Ausguck, Rettungsmittel und Crew Alarmierung===
===Ausguck, Rettungsmittel und Crew Alarmierung===
Sobald ein MOB gemeldet wird, müssen ALLE Personen an Deck den Überbordgegangenen beobachten und mit ausgestrecktem Arm darauf zeigen. Gerade bei Seegang und nachts kann der treibende Kopf schneller aus der Sicht gelangen, als man es sich vorstellen kann. Der Skipper hat dann einzelne Personen abzurufen und für andere Aufgaben einzuteilen.
Sobald ein MOB gemeldet wird, muss der Rudergänger bzw. der Schiffsführer alle notwendigen Maßnahmen einleiten, um den Über-Bord-Gegangenen wieder an Bord zu holen. Hierzu gehört:


Die übrige Crew muss sofort an Deck gerufen werden.
1) Lauter Ausruf desjenigen der das MOB beobachtet hat (in der Regel der Schiffsführer oder der Rudergänger): "Mann über Bord / Man over board!"
Hiermit leitet der Ausrufer das MOB-Manöver ein.


Ein Rettungsmittel sollte sofort in Richtung der treibenden Person ausgebracht werden. Wenn vorhanden Livesling ausbringen um den MOB kreisförmig "einzufangen".
2) Der Schiffsführer oder der Rudergänger übernimmt die Koordination des MOB-Manövers.
 
3) Lauter Ausruf des Schiffsführers/Rudergängers: "Alle an Deck / All hands on deck!"
 
3) Der Schiffsführer bzw. der Rudergänger bestimmt eine Person, die ausschließlich den Überbordgegangenen beobachtet und mit ausgestrecktem Arm auf dessen Position zeigt.
 
4) Weitere Crewmitglieder werden angewiesen, die Rettungsmittel (Leine, Ring, Gegenstände die schwimmen etc.) zum Ausbringen vorzubereiten.
 
5) Alle Crewmitglieder halten Ausguck und geben Hinweise hinsichtlich der Position des Überbordgegangenen, wenn dieser zeitweise oder ganz aus dem Blickfeld gerät.
 
Gerade bei Seegang und nachts gerät die Person (sichtbar ist maximal der Kopf) sehr schnell aus der Sicht
 
Ein Rettungsmittel soll sofort zu der treibenden Person ausgebracht werden, wenn es diese erreichen kann (Anweisung). Wenn vorhanden, eine lange Rettungsleine ("Livesling") ausbringen, um den MOB kreisförmig zu erreichen.
 
Bei Bewußtlosigkeit des MOB, muss dieser mit dem Boot erreicht werden und von der Crew aktiv geborgen werden.


Die MOB-Taste des GPS ist zu drücken, für den Fall, dass eine größere Suchaktion erforderlich werden soll.
Die MOB-Taste des GPS ist zu drücken, für den Fall, dass eine größere Suchaktion erforderlich werden soll.
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|Situation
|Situation
|Kurzbeschreibung
|Kurzbeschreibung
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|[[MOB Manöver mit Q-Wende]]
|[[MOB Manöver mit Q-Wende]]
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|[[MOB Manöver mit Beidrehen]] (Münchner Manöver)
|[[MOB Manöver mit Beidrehen]] (Münchner Manöver)
|Vorwind bis Amwind
|Halbwind bis Amwind
|auch ungeübte Crew
|auch ungeübte Crew, auch bei viel Wind
|Schiff auf Halbwindkurs bringen, zwei Schiffslängen ablaufen, anluven und beidrehen, auf Person hindriften lassen
|Schiff auf Amwindkurs bringen, zwei Schiffslängen laufen, Beidrehen über die Wende, auf Person hindriften lassen


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|gefühlvoll anluven, Vorschot loswerfen, Motor  starten, durch die Wende fahren und Person ansteuern
|gefühlvoll anluven, Vorschot loswerfen, Motor  starten, durch die Wende fahren und Person ansteuern


|- valign="top"
|[["Reach Tack Reach" ... oder "HeaveTo Tack Reach"]]
|bei jedem Kurs und bei jedem Wetter
|auch Einhand und bei viel Wind möglich, von der RYA für Yachten empfohlen, für Jollen ungeeignet
|Sofort wird eine Wende eingeleitet, egal auf welchem Kurs. Dabei wird ein gesetztes Vorsegel back-stehend gelassen (nicht verändert). Der Steuermann segelt das Boot etwa fünf bis sechs Bootslängen von der Unfallstelle raumschots weg. Der Zielbereich liegt so, dass man das Unfallopfer mit einem Amwind-Kurs erreichen kann. Es wird eine erneute Wende gefahren. Dabei kreuzt man seine eigene Kiellinie. Bei den meisten Yachten ist es hilfreich, während dieser Wende das Vorsegel zu bergen. Der Unfallperson wird sich nun mit einem Nahezuaufschießer genähert. Eine Video-Darstellung findet sich mit freundlicher Unterstützung der britischen Segelzeitschrift [https://youtu.be/xlexzR3yPKA Practical Boat Owner] auf Youtube.


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Die Bergung einer bewusstlosen oder verletzten Person ist eine eigene Herausforderung. Ohne Hilfsmittel lässt sich die Person - insbesondere von kleiner Crew - kaum an Bord holen. Es wird oft empfohlen, beispielsweise das Spi-Fall zur Hilfe zu nehmen.
Die Bergung einer bewusstlosen oder verletzten Person ist eine eigene Herausforderung. Ohne Hilfsmittel lässt sich die Person - insbesondere von kleiner Crew - kaum an Bord holen. Es wird oft empfohlen, beispielsweise das Spi-Fall zur Hilfe zu nehmen.


Laut BSU sterben die meisten wegen erfolgloser Bergeversuchen. Daher ist es unabdingbar, dass die Bergung einer z.B. 120kg schweren Person im Rahmen der Schiffs- und Sicherheitseinweisung VOR dem ersten Ablegen praktisch durchgegangen wird! Der Skipper muss davon ausgehen, dass er selbst über Bord geht! Dann muss seine Crew wissen wie und was zu tun ist! Die seitliche Bergung mittels Spifall und Winschen muss dabei durchgespielt werden. In nordischen (deutschen) Gewässern sterben viele an Unterkühlung. Daher ist es zielführend, die Überbordgegangene Person mittels Schlauchboot (gesichert an der Yacht) mit zwei Mann Bestzung zu bergen, da das Schlauchboot ein niederes Freibord hat und die Person rascher aus dem kalten Wasser kommt. Viele Spifalle reichen nur bis an Deck um von dort den Spi aus dem Sack zu ziehen und nicht bis ins Wasser. Daher ist der Einsatz einer Zusatzleine zu prüfen. Bei der Sicherheitseinweisung muss eine Hebeprüfung von einer schwachen Person über die Spi-Winsch getestet werden. Kann die schwache Person die schwere MOB-Person nicht heben, muss der Einsatz von zwei Winschen geprüft werden (Tandemprinzip)!
Genauere Beschreibung siehe '''[https://www.skipperguide.de/wiki/Bergung Personenbergung aus dem Wasser]'''


== Weblinks ==
== Weblinks ==


* Die verschiedenen '''professionellen SAR-Suchverfahren bei MOB''', inklusive Kurszettel fürs Navi-Schapp, bei '''[http://sicher-segeln.com/seemannschaftfuerhochseesegler/mannueberbordmanoever/index.html www.sicher-segeln.com]'''. Verhalten im Wasser, Überlebenschancen, sichere MOB-Manöver für kleine Crews.  
* Die verschiedenen '''professionellen SAR-Suchverfahren bei MOB''', inklusive Kurszettel fürs Navi-Schapp, bei '''[https://www.sailpress.com/seemannschaftfuerhochseesegler/mannueberbordmanoever/index.html www.sailpress.com]'''. Verhalten im Wasser, Überlebenschancen, sichere MOB-Manöver für kleine Crews.  


* [http://www.lau-net.de/baerlocher/daten/mob.htm Bärlocher - Segeln - Mann über Bord] : Anfahrt, Bergung und Suchverfahren bei Mann über Bord in Kurzform von Markus Bärlocher
* [http://www.lau-net.de/baerlocher/daten/mob.htm Bärlocher - Segeln - Mann über Bord] : Anfahrt, Bergung und Suchverfahren bei Mann über Bord in Kurzform von Markus Bärlocher