Seekrankheit: Unterschied zwischen den Versionen

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{{NavigationSeemannschaft
|Hierarchie=[[Portal:Seemannschaft#Gesundheit und Erste Hilfe|Gesundheit und Erste Hilfe]]
|Kapitel=
* [[Erste Hilfe]]
* [[Hilfe im Seenotfall]]
* [[Gesundheit]]
**[[Seekrankheit]]
**[[Essen und Trinken]]
**[[Mücken]]
**[[Bordapotheke]]
**[[Tipps zur Gesundheitsvorsorge]]
}}
Die '''Seekrankheit''' kann den schönsten Törn zur Qual werden lassen. Mit etwas Sachkenntnis ist das Problem jedoch zu handhaben und plötzlich ist alles nur noch halb so wild. Viele Segler werden regelmäßig zu Beginn eines Törns seekrank und genießen ihr Hobby dennoch.
Die '''Seekrankheit''' kann den schönsten Törn zur Qual werden lassen. Mit etwas Sachkenntnis ist das Problem jedoch zu handhaben und plötzlich ist alles nur noch halb so wild. Viele Segler werden regelmäßig zu Beginn eines Törns seekrank und genießen ihr Hobby dennoch.


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* '''Cinnarizin''' - Wirkt ähnlich wie Dimenhydrinat und soll ebenfalls wirksam gegen Seekrankheit sein. In Deutschland ist Cinaarizin nur als Kombination mit Dimenhydrinat erhältlich (Arlevert® Tabletten)  
* '''Cinnarizin''' - Wirkt ähnlich wie Dimenhydrinat und soll ebenfalls wirksam gegen Seekrankheit sein. In Deutschland ist Cinaarizin nur als Kombination mit Dimenhydrinat erhältlich (Arlevert® Tabletten)  
* '''Metoclopramid''' - wirkt gut gegen Erbrechen, nicht jedoch gegen Schwindel. Als Tablette, Tropfen oder Zäpfchen erhältlich. Markenname Paspertin® oder Generika (MCP).
* '''Metoclopramid''' - wirkt gut gegen Erbrechen, nicht jedoch gegen Schwindel. Als Tablette, Tropfen oder Zäpfchen erhältlich. Markenname Paspertin® oder Generika (MCP).
* '''Meclozin''' - wirkt gut gegen Schwindel und war u.a. unter dem Handelnamen Postadoxin erhältlich. Die Zulassung hierfür ist in Deutschland zwar abgelaufen, aber mit enem entsprechenden Rezept (Meclozin-HCl) kann dieses Medikament von vielen deutschen Apotheke z.B. aus Dänemark beschafft werden. Nebenwirkung auch hier kann Müdigkeit sein.


'''Achtung - die meisten Mittel gegen Seekrankheit machen müde und verlängern die Reaktionszeit.''' Besonders negative Effekte zeigt hier Dimenhydrinat, Scopolamin scheint etwas weniger sedierend zu wirken.
'''Achtung - die meisten Mittel gegen Seekrankheit machen müde und verlängern die Reaktionszeit.''' Besonders negative Effekte zeigt hier Dimenhydrinat, Scopolamin scheint etwas weniger sedierend zu wirken.
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Um die Verbindung zwischen leichter Übelkeit und echter Seekrankheit (Erbrechen, Lethargie, Schläfrigkeit) geistig zu unterbrechen, kann man seinen Mitseglern ruhig klarmachen, dass echte Seekrankheit recht selten ist. Bei Seegang ist eine leichte Übelkeit durchaus normal - das ist aber keine Seekrankheit und muss sich nicht dazu entwickeln. Auch kann man persönlich gute Ergebnisse erzielen, in dem man sich nicht zu stark auf eine eventuell vorhandene Übelkeit konzentriert.
Um die Verbindung zwischen leichter Übelkeit und echter Seekrankheit (Erbrechen, Lethargie, Schläfrigkeit) geistig zu unterbrechen, kann man seinen Mitseglern ruhig klarmachen, dass echte Seekrankheit recht selten ist. Bei Seegang ist eine leichte Übelkeit durchaus normal - das ist aber keine Seekrankheit und muss sich nicht dazu entwickeln. Auch kann man persönlich gute Ergebnisse erzielen, in dem man sich nicht zu stark auf eine eventuell vorhandene Übelkeit konzentriert.


Weitere krankheitsfördernde Faktoren sind Streß unterschiedlichster Ursachen. Vorher unbekannte Crewzusammensetzung mit den daraus resultierenden sozialen Anpassungsprozessen, Übermüdung nach einer langen Anfahrt, Klimawechsel, Termindruck wegen langen Etappen, unzureichende Einweisung in die Gegebenheiten an Bord, Probleme bei der Anreise, aber auch Geruchsbelästigung durch schlechte LÜftung, Zigarettenrauch oder ausgelaufener Diesel können solche Streßfaktoren sein. Bei einer Häufung solcher Faktoren kann es hilfreich sein, wenn die ersten ein oder zwei Etappen bewußt sehr kurz gewählt werden, um dem Körper Zeit zur Akklimatisation zu geben. Viele Crews können danach selbst sehr lange Etappen ohne Seekrankheit und ohne Medikamente überstehen.
Weitere krankheitsfördernde Faktoren sind Streß unterschiedlichster Ursachen. Vorher unbekannte Crewzusammensetzung mit den daraus resultierenden sozialen Anpassungsprozessen, Übermüdung nach einer langen Anfahrt, Klimawechsel, Termindruck wegen langen Etappen, unzureichende Einweisung in die Gegebenheiten an Bord, Probleme bei der Anreise, aber auch Geruchsbelästigung durch schlechte Lüftung, Zigarettenrauch oder ausgelaufener Diesel können solche Streßfaktoren sein. Bei einer Häufung solcher Faktoren kann es hilfreich sein, wenn die ersten ein oder zwei Etappen bewußt sehr kurz gewählt werden, um dem Körper Zeit zur Akklimatisation zu geben. Viele Crews können danach selbst sehr lange Etappen ohne Seekrankheit und ohne Medikamente überstehen.


=== Weitere Maßnahmen ===
=== Weitere Maßnahmen ===


'''Ernährung''': Je nach Seegangsverhältnissen kann die Zubereitung von heißen Getränken oder Speisen während der Fahrt schwierig bis unmöglich werden. Bei rauer See möchte oft niemand mehr unter Deck gehen, da er befürchtet, seekrank zu werden. Es ist daher wichtig, den Körper bereits vor Beginn der Etappe ausreichend mit Flüssigkeit und Nahrung zu versorgen. Das Bereitstellen von gezuckerten Heißgetränken und Suppen in Thermoskannen für die Fahrt gehört zur Planung dazu.
'''Ernährung''': Je nach Seegangsverhältnissen kann die Zubereitung von heißen Getränken oder Speisen während der Fahrt schwierig bis unmöglich werden. Bei rauer See möchte oft niemand mehr unter Deck gehen, da er befürchtet, seekrank zu werden. Es ist daher wichtig, den Körper bereits vor Beginn der Etappe ausreichend mit Flüssigkeit und Nahrung zu versorgen. Das Bereitstellen von gezuckerten Heißgetränken und Suppen in Thermoskannen für die Fahrt gehört zur Planung dazu.
Von [[Alkohol]] ist dringend abzuraten. [[Alkohol]] schränkt die Möglichkeit des Körpers, die widersprüchlichen Gleichgewichtsinformationen abzugleichen, weiter ein und verstärkt damit das zugrunde liegende Problem. Auch von fetten oder einweißreichen, also schwer verdaulichen Speisen ist abzuraten, obwohl ein Zusammenhang mit der Seekrankheit hier weniger deutlich ist. Wie vor anderen sportlichen Herausforderungen auch, sollte die Nahrung vor allem auf der Basis von leicht verdaulichen Kohlenhydraten aufgebaut sein.
Von [[Alkohol]] ist dringend abzuraten. [[Alkohol]] schränkt die Möglichkeit des Körpers, die widersprüchlichen Gleichgewichtsinformationen abzugleichen, weiter ein und verstärkt damit das zugrunde liegende Problem. Auch von fetten oder eiweißreichen, also schwer verdaulichen Speisen ist abzuraten, obwohl ein Zusammenhang mit der Seekrankheit hier weniger deutlich ist. Wie vor anderen sportlichen Herausforderungen auch, sollte die Nahrung vor allem auf der Basis von leicht verdaulichen Kohlenhydraten aufgebaut sein.
Hier bieten sich Kartoffeln, Getreideprodukte und Teigwaren an.
Hier bieten sich Kartoffeln, Getreideprodukte und Teigwaren an.


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=== Alternative Methoden ===
=== Alternative Methoden ===
'''Ingwer''': In einzelnen Placebo-kontrollieren Studien hat sich gezeigt, dass die Einnahme von 1-2g Ingwer das Auftreten von Seekrankheit vermindern kann.  
 
'''Ingwer''': In einzelnen Placebo-kontrollieren Studien hat sich gezeigt, dass die Einnahme von 1-2 g Ingwer das Auftreten von Seekrankheit vermindern kann.  


'''Akupressur''': Ganz vereinzelt wird über Erfolge durch Druck auf einen Akupressurpunkt am Handgelenk berichtet. Da bei solchen Therapiekonzepten im allgemeinen eine gute Placebokontrolle schwierig ist, ist unklar, inwieweit hier vielmehr psychologische Effekte wirksam werden.  
'''Akupressur''': Ganz vereinzelt wird über Erfolge durch Druck auf einen Akupressurpunkt am Handgelenk berichtet. Da bei solchen Therapiekonzepten im allgemeinen eine gute Placebokontrolle schwierig ist, ist unklar, inwieweit hier vielmehr psychologische Effekte wirksam werden.  
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== Literatur==
== Literatur==
Buchtipp: Histamin-Intoleranz, Histamin und Seekrankheit (Thieme Flexible Taschenbücher)
{{Buch|Autor=Reinhard Jarisch|Titel=Histamin-Intoleranz, Histamin und Seekrankheit|Zusatz=(Thieme Flexible Taschenbücher), ISBN 978-3131053824|Beschreibung=Buchtipp zum Thema Histamin und Seekrankheit|ASIN=3131053828}}
ISBN-10: 3131053828
ISBN-13: 978-3131053824


== Referenzen ==
== Referenzen ==